Abschalten, warum ist das so schwer?

Es ist Christi Himmelfahrt, und ich bin mit Lilly und dem Heavy in Senheim an der Mosel. 
Hinter mir liegen 10 absolute Horror-Wochen. Am 16.03.2020 sind wir in den Shutdown gegangen, und seitdem fühle ich mich wie ein Tiger im Käfig. Das allerdings liegt nicht daran, dass ich fast nur zuhause bin. Auch wenn ich damit womöglich jemandem auf den Schlips trete – den sozialen Rückzug empfinde ich als totale Entlastung. Allerdings wünschte ich, ich hätte in den letzten Wochen Zeit gehabt, mir darüber Gedanken zu machen, warum ich den Rückzug gut finde bzw. warum mich menschliche Kontakte so oft so extrem auslaugen. Meine innere Unruhe kommt vom Arbeits-Wust, dem wir im Büro seit dem Corona-Ausbruch ausgesetzt sind. Und definitiv spielt auch meine bescheuerte Entscheidung, vorübergehend auf Vollzeit aufzustocken, mit hinein. Ich könnte mir gelinde gesagt in den Hintern beißen, dass ich mir wieder selbst auf den Leim gegangen bin. Verarschen kann man sich halt immer selbst am besten. Es ist schön, die geleisteten Überstunden bezahlt zu bekommen – allerdings haben sie sich dadurch ja in Soll-Stunden verändert. Und ich hatte schon vergessen, wie ätzend lang eine 39-Stunden-Woche ist, wenn man keinen Bock hat.
Nach Feierabend geht’s bei mir
 in die zweite Runde, Arbeiten für die Selbständigkeit. So langsam ist mehr als die Luft raus. Ich kann niemandem mehr richtig zuhören, und meine Zündschnur ist extrem kurz geworden. Ganz bestimmt liegt das auch an dem vielen Bullshit, der im Moment (vor allem in Facebook und Co.) verbreitet wird. Und daran, dass ausgerechnet jetzt Wälder und Parkanlagen überlaufener sind als je zuvor. Ich zähle also die Tage und freue mich auf meine neue Freiheit nach dem 30.06.2020, wenn ich in die 4-Tage-Woche wechsle. Ich sehne mich nach Ruhe, weniger Telefon, weniger Diskussion und „Müssen“ – vor allem aber nach Reizarmut.Die Fahrt an die Mosel kommt also wie gerufen: Einsamkeit und Weite gibt es hier nicht zu knapp.
Ich bin gespannt, ob der Kopf in den nächsten Tagen frei wird für einen echten Urlaubsbericht… Es ist eine wahre Schande, dass der Blog so vor sich hin verkümmert.
Für heute muss das Geschriebene allerdings leider reichen.

So sollte jeder Morgen anfangen…

Lebensfreude für Anfänger

Die Windräder sind hier riesengroß

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