Vom Mythos der Antibiotika und wie man sich ihm entziehen kann

Ich bin keine Missionarin, wirklich nicht, und mir geht der Bekehrungsmodus vieler User in sozialen Netzwerken auf die Nerven. Keine Sorge, ich habe nicht vor, einen Krieg zwischen Veganern, Fair-Trade-Verfechtern und Fleischessern vom Zaun zu brechen. In diesem Beitrag geht es um Wohlbefinden und subjektive Erfahrungen, die ich gerne teilen möchte.

Seit ich denken kann, war ich von den verschiedensten Entzündungsphasen geplagt. „Da müssen wir ein Antibiotikum geben“ war so ziemlich der meistgesagte Satz meines Hausarztes.
Im Alter zwischen 10 und 16 Jahren verging kaum ein Jahr, in dem ich nicht mindestens einmal unter einer eitrigen Angina litt. Danach folgte die Bronchitis-Ära. Auch die ging ein paar Jahre später vorbei. Dann kam die bis dahin längste Phase, die der Harnwegsinfektionen. Ich glaube, in meiner Hochphase kam ich auf 7 Blasentzündungen pro Jahr. Das Ganze wurde 2007 gekrönt von der Erfahrung, dass die Cystitis in die Nieren wanderte, wo ich sie als ausgewachsene Nierenbeckenentzündung 6 Monate mit mir rumtrug.

Meinen Antibiotika-Konsum darf ich also vorsichtig als arztinduziertes Missbrauchsverhalten bezeichnen. Ich glaube, es gibt in der Richtung kaum einen Wirkstoff, den ich nicht ausprobieren musste. Alle Präparate vertrug ich nicht, auf die ein oder andere Weise. Allen gemein war, dass ich mich den ganzen Tag wie benommen fühlte und nachts unter kaltschweißige Albträumen litt. Ich war tagsüber so müde, dass ich mich auf nichts konzentrieren konnte. Penicillin und Doxicyclin verursachten übelste Magen- und Darmkrämpfe, begleitet von schmerzhaften Durchfällen. Mir war andauernd schwindelig, ich litt unter Beinkrämpfen und depressiven Symptomen. Unter „Eusaprim forte“ (Cotrimaxol) hatte ich Kreislaufprobleme und kippte in meinem Aushilfsjob an der Tankstelle einfach hinter der Kasse um.
Ich habe das Gefühl, dass die Nebenwirkungen mit jeder Antibiotika-Einnahme schlimmer werden. Als mein Urologe irgendwann endlich befand, dass die Nierenbeckenentzündung verschwunden wäre und die Schmerzen nur noch sowas wie „Phantomschmerzen“ seien, fing ich an, mich intensiv mit Hausmitteln zu beschäftigen.

Ich stellte mein Trinkverhalten konsequent um, unter 2 Litern am Tag geht bei mir gar nichts mehr. Im Büro 1 Liter Tee bis Mittag ist die Faustregel, der Rest trinkt sich von allein. Ich nahm über ein Jahr täglich Cranberry-Kapseln zu mir. Das soll die Blasenschleimhaut stärken, den Urin ansäuern und damit den Bakterien eine Ansiedeluung erschweren. Ich recherchierte wie eine Verrückte im Internet nach alternativen Möglichkeiten für den Ernstfall. Bärentraubenblätter (z.B. „Arctuvan“) führten bei mir zu nichts außer Übelkeit und noch häufigere Toilettengänge, auf die man bei einer akuten Entzündung gerne verzichtet. „Aqua Libra“ (Goldrute, Orthosiphon, Hauhechel) schwemmte gut aus und drängte vorrübergehend die Entzündung zurück, nach dem Absetzen ging aber alles von vorn los. Dasselbe galt für Tees von „Heumann“, „Sidroga“ und Konsorten. Bei meiner weiteren Recherche legte ich Wert auf statistisch saubere Wirksamkeitsstudien und seriöse Quellen. Ich hatte schon viel zu viel Geld für „ultimative Lösungen“ ausgegeben, die mich am Ende doch nicht weiter gebracht hatten.
Und tatsächlich: Ich fand etwas, nämlich „Angocin Anti-Infekt“. Die Hauptbestandteile dieses Naturpräparates sind hochdosierte Kapuzinerkresse und Meerrettich. Das klingt verdammt einfach, oder? Bevor ich diesen angeblichen Wunderheiler kaufen würde, recherchierte ich erstmal weiter.

Ich habe mich oft gefragt, ob die Menschen vor 500 Jahren an „unkomplizierten Harnwegsinfekten“ oder Erkältungskrankheiten allesamt gestorben sind? Sicher nicht, sonst wäre die Menschheit längst ausgerottet. Irgendwie muss man sich also geholfen haben. Die Recherchen im Zusammenhang mit „Angocin“ ergaben, dass schon im Mittelalter Kapuzinerkresse und Meerrettichwurzel erfolgreich gegen Entzündungen eingesetzt wurden. Es ist nicht neu, dass einige Pflanzen natürliche Antibiotika enthalten. Das weiß man auch von Efeu, Zwiebeln, Knoblauch oder Honig. Pflanzen schützen sich auf diese Weise selbst vor Bakterien-, Pilz- oder Virenbefall. Diese Eigenschaft können wir uns zunutze machen, denn die sekundären Pflanzenstoffe vernichten im Idealfall auch im menschlichen Körper gefährliche Erreger und stabilisieren das Immunsystem. Heute sind wir mit der Forschung so weit, dass Wirkstoffe künstlich hergestellt werden können und in ihrer Wirkungsweise optimiert. Leider geht das oft zu Lasten der Verträglichkeit. Nun also Meerretichwurzel und Kapuzinerkresse.

In beiden Pflanzen sind sogenannte Senföle („Senfölglykoside“) enthalten, welche viele bekannte Erreger mindestens ebenso wirksam wie synthetische Antibiotika bekämpfen sollen. Bei der Suche vermeide ich eingefärbte Internetseiten von selbst ernannten Profis der alternativen Heilkunst. Um Heilpraktiker- bzw. Homöopathen mache ich ebenfalls einen Bogen. Auch wenn ich dieser Strömung nicht gänzlich abgeneigt bin, schlagen mir die Wogen der Glaubenskriege zwischen Schulmedizin und alternativen Heilmethoden viel zu hoch. Und ich suche etwas Handfestes, ich brauche belegbare Ergebnisse. Ich beschränke mich also auf Veröffentlichungen von Universitäten und der Pharmazeutischen Zeitung (s.u.), und ich finde Erstaunliches.

Für „Angocin“ konnte eine starke Hemmung des Wachstums für folgende Bakterienstämme nachgewiesen werden:

* Haemophilus Influenzae
* Pseudomonas Aeruginosa
* Escherichia Coli
* Staphylococcus Aureus
* Streptococcus
* Enterococcus
* Acinetobacter
* Proteus
* Enterobacter
* Methicillin-resistenter Staphylococcus Aureus (MRSA)

Gegen die folgenden Viren hilft das Pflanzenpräparat:

* Rhinoviren
* Influenza
* Newcastle

Bei den Pilzen konnte die Wirksamkeit gegen den den typischerweise im Darm lästig werdenden Hefepilz Candida Albicans nachgewiesen werden.

Wer sich nur ein bisschen mit der Materie der Entzündungskrankheiten beschäftigt hat, findet auf den ersten Blick alte Bekannte. Den Anderen sollte die Kursivschrift in der Aufzählung Aufschluss geben. Bei den Influenza-Viren handelt es sich um die Erreger der gefürchteten Grippewellen. Escherichia Coli, häufig E. Coli abgekürzt, sind in den meisten Fällen für den Ausbruch von Harnwegsinfekten verantwortlich. Sie stammen meistens aus dem Darm. (Daher der häufige und nicht weniger peinliche Hinweis von Urologen und Frauenärzten, sich nach dem Toilettengang „von vorn nach hinten“ zu säubern.) Staphylo- und Streptokokken sind ebenfalls gängige Entzündungserreger. Sogar der gefürchtete Krankenhauskeim, MRSA, ist aufgelistet. Ja, sogar der!
Wenn das alles stimmt, handelt es sich bei „Angocin“ also um eine wahre Wunderwaffe. Der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ der Universität Würzburg kürt die Kapuzinerkresse, einen der beiden Hauptbestandteile, wegen der guten Wirksamkeit zur Pflanze des Jahres 2012. Irgendwas muss wohl dran sein.

Ich marschierte entschlossen zur Apotheke und kaufte mir das Präparat. Dazu besorgte ich  Urinteststreifen („Combur 5“), um den Erfolg zu überwachen. – Es funktionierte!
Meine Blasenentzündung mit anfänglich blutgetränkten Urin bekam ich vollständig (und vor allem ohne Rückfall!) ausgeheilt. Es war allerdings Geduld angezeigt. Die Schmerzen ließen zwar schon am nächsten Tag deutlich nach, und auch die Zahl der Nitrite ging zurück. Die vollständige Ausheilung, bis auch die Leukozyten wieder im Normbereich waren, dauerte aber eine knappe Woche. Als einzige Nebenwirkung stellte ich Sodbrennen fest, das ich inzwischen vermeide, indem ich die Tabletten mit einem Glas Milch einnehme, wie es auch der Hersteller vorschlägt. „Bullrich-Salz“ oder Natron schaffen ebenfalls sofort und nebenwirkungsfrei Abhilfe.
Es gibt noch weitere, entscheidende Vorteile des Präparates gegenüber synthetischen Antibiotika: Die Darmflora wird nicht angegriffen. Wer so leidenserprobt ist wie ich, kann bestätigen, dass der Aufbau der Darmflora, der häufig nach einer Antibiotika-Einnahme notwendig ist, ordentlich ins Geld geht. Außerdem folgt als Nebenwirkung der Medikamente bei Frauen nicht selten eine Pilzinfektion. Auch das ist eine lästige Angelegenheit, die nicht nur Zeit und Geld, sondern auch Nerven kostet.

Der Aufbau von Resistenzen konnte unter Einnahme von „Angocin“ nicht nachgewiesen werden, das Präparat kann auch über lange Zeiträume genommen werden. Auch die Leber wird vom Senfölen nicht angegriffen. Die vom Hersteller empfohlene Stärkung des Immunsystems durch prophylaktische Einnahme funktioniert bei mir super: Nachdem ich „Angocin“ anfangs 2 Monate in Niedrigdosis zur Immunstärkung eingenommen hatte, war ich über zwei Jahre vollständig erkältungsfrei. Heute kann ich aufkommende Infekte meist vor dem Ausbruch hindern. Das Medikament hilft mir bei harmlosen Erkältungskrankheiten wie Schnupfen, Husten und Halsschmerzen. Ich habe aber die gleichen Erfolge auch bei Bronchitis, Mandel- und Mittelohrentzündungen erzielt. Und natürlich bei den schon aufgeführten Harnwegsinfekten.
Der einzige Nachteil: Bei einer akuten Infektion benötigt man bis zur vollständigen Abheilung und Stabilisierung ca. 200 Tabletten und ist mit ca. 20,00 EUR dabei. Die Krankenkasse erstattet die Kosten nicht, da es sich um ein pflanzliches Präparat handelt.

Wer hinter dem relativ stolzen Preis (v.a. wegen der hohen Dosierung zwischen 12 und 25 Tabletten pro Tag) eine Verschwörung der Pharmaindustrie vermutet, hat nur halb recht: Das Problem liegt in der Herstellung. Wenn man die Inhaltsstoffe einer Tablette zusammenaddiert, kommt man auf 280mg komprimierte Pflanzenextrakte zuzüglich Cellulose und sonstigen Bestandteilen. Das sind während der Stoßbehandlung im Akutfall insgesamt 25 Tabletten über den Tag verteilt, d.h. 7g reine Senföle. Die Menge an reinem Meerretich und frischer Kapuzinerkresse, die man dafür verzehren müsste, ist als Mahlzeit wegen der extremen Schärfe nicht geeignet. (Wer schonmal in der Monschauer Senfmühle war, weiß, was allein der Geruch sogar noch Stunden später nur mit den Augen anzustellen vermag…) Die Phytostoffe sind also massiv zusammen gepresst, und kleiner als klein geht an der Stelle leider nicht.
Trotzdem ist wahr, dass „Angocin“ als Präparat relativ unbekannt ist, obwohl der alleinige Anbieter (Repha GmbH) es schon seit 50 Jahren herstellt.
Ich habe meine sämtlichen Ärzte zu ihrer Meinung diesbezüglich befragt. Mein neuer Urologe kannte das Präparat als Einziger und erklärte sogar, dass er es seinen Patienten empfehle, bevor er mit ihnen eine Antibiotika-Behandlung angehe. Die Bereitschaft, selber zu zahlen, müsse natürlich vorhanden sein, aber einen Großteil der Infekte bekäme man damit schonend in den Griff. Von ihm stammte übrigens auch der Tipp, mit den Teststreifen selber das Ergebnis zu kontrollieren. Meine Frauenärztin hat sich das Produkt zumindest aufgeschrieben, weil sie es für Schwangere interessant findet. Die meisten Hausärzte betrachten „Angocin“ mit großer Skepsis.

Vermutlich gefällt ihnen daran nicht, dass eine Infektion eben nicht nach 3 Tagen ausgemerzt ist, wie es mit der Einnahme von Antibiotika der Fall wäre. Erholung und Bettruhe gehören zur alternativen Behandlung dazu und sollten ernst genommen werden. Damit müssten etwaige Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen vielleicht etwas großzügiger ausfallen. Möglicherweise bringen „grüne Rezepte“ aber auch nicht so viel Geld?
Dass die Pharmaindustrie mehr Interesse an Weiterentwicklung künstlicher Wirkstoffe hat als daran, in großem Stil Meerrettich zu reiben, liegt ebenfalls auf der Hand.

Allen Trinkwasserideologen und Resistenzpessismisten sei hier also ein Weg aufgezeigt, nicht nur etwas für die Erhaltung unserer Wasserqualität zu tun, sondern auch dem eigenen Immunsystem im Krankheitsfall schonend auf die Sprünge zu helfen. Schade nur, dass diese Möglichkeit Kinder unter 6 Jahren nicht nutzbar ist: Die Tabletten sind viel zu groß, und sie eignen sich aufgrund des strengen Geschmacks auch nicht, um sie im Mörser kleinzustoßen und in Wasser aufzulösen.

Ich kann mit Stolz von mir behaupten, seit 2010 nicht mehr auf Antibiotika angewiesen zu sein. Das fühlt sich verdammt gut an!

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Unter den folgenden Links könnt ihr euch bei Interesse einlesen, oder einfach nur schauen, auf welche Artikel ich mich beziehe.

Quellen:

Klinikum Heidelberg
Universität Würzburg
Pharmazeutische Zeitung
Monitor Versorgungsforschung
Repha GmbH

angocin