Baublog

29.03.2014 – Tapeten raus!

Heute wird die Einbauküche der Vorbesitzerin abgeholt. Jetzt gibt Heavy auch die letzten nun freiliegenden Fliesen zum Abriss frei. Meine Familie, ein wahnsinnig geduldiger Tom und ich verbringen den Tag allesamt mit lästiger Tapetenknibbelei. Meine Mutter hat sich mit ihrem gebrochenen Bein sogar einen Gehwagen mitgebracht, um die Arbeit im Sitzen verrichten zu können. Manchmal hat es eben doch was Gutes, Sanitätswaren aus dem großmütterlichen Haushalt zu erben…

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Oben legt Stulle indes die Rohre für den Sanitärumbau frei und macht dabei ordentlich Krach.
Aufgrund des schönen Wetters zelebrieren wir die heutige Grillwurst-Pause auf besondere Weise: Die alte Ledercouch der Vorbesitzerin wird auf die Terrasse getragen, Heavys und meine Mutter kümmern sich um frischen Kaffee. Außerdem gibt es heute ausnahmsweise Nudelsalat à la Mama. Herrlich! Wir könnten stundenlang da draußen rumsitzen…

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Weiter geht’s!
Die Rauhfasertapete im Erdgeschoss geht so schwer ab, dass wir selbst mit fünf Leuten nur sehr schleppend voran kommen. Erst spät am Abend gelingt es Heavy, nach Ausarbeitung der passenden Schnitttiefe, der richtigen Befeuchtungsmenge und entsprechender Einwirkdauer den Prozess zu beschleunigen. Auf diese Weise schaffen wir wenigstens, das Wohnzimmer nahezu vollständig von den Papierresten zu befreien.

Danach lassen Tom und ich im Erdgeschoss unseren Phantasien hinsichtlich Farbgestaltung freien Lauf. Dabei entwickelt sich für mich endlich ein konkreter Plan, wie Möbel, Stil des Hauses und unsere neue Küche zu einem (meiner Meinung nach) geschmackvollen Gesamtkonzept zusammengefügt werden. Vorher waren meine Ideen noch viel zu diffus… Danke, Tom!!

Weiterer Dank geht außerdem an unsere Eltern, Mirja, Sebastian und Stulle. War ein schöner Tag, und man kann sich immer mehr vorstellen! :-)

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26.03.2014 – Noch mehr neue Möbel

Die heutige Geschichte ist schnell erzählt:

Nach einem ausgiebigen Frühstück fahren Heavy und ich zur Baustelle und schaufeln den restlichen Schutt unserer letzten Samstagsaktion auf den Hänger. Heute können wir uns sogar sicher sein, ihn nicht zu überladen. Wir fahren nochmal nach Grefrath. Bei der „Rückverwiegung“ (das heißt wirklich so!) sind wir überrascht: Unser geschätztes „maximal ein Fünftel“ Schutt waren doch nochmal 750kg. Und wir haben es gut ohne Hilfe wegbekommen.

Im Anschluss holen wir Patrick ab: Der Apothekerschrank, den wir schon im Januar gekauft haben und der die ganze Zeit über noch beim Händler stand, soll endlich nach Hause gebracht werden. Zum Glück besteht er aus zwei Teilen und kann daher, gut eingewickelt, auf dem Hänger transportiert werden.

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Irgendwie quietscht der Zweiachser seit unserer Gewalttour am Dienstag ganz fürchterlich, und Heavy und ich treibt seither ein schlechtes Gewissen, dass wir Papas gutes Stück wegen Überladung zerstört haben könnten. Der Schrank ist wirklich wunderschön. Richtige Bilder gibt es leider erst, wenn er an seinem Platz steht. Wir lassen die Folierung wo sie ist, bis das Möbelstück nicht mehr Gefahr läuft, eingestaubt oder anderweitig versaut zu werden. Nachdem er in der Garage sorgsam verstaut ist, packt Patrick seine gestern erworbene Klobürste ein, erhält zur Belohnung seinen Amerikaner (auch von gestern) und wird von mir nach Hause gefahren, während Heavy sich auf die Suche nach den Stromleitungen macht, wie Papa ihm Samstag aufgetragen hat. Die Leitungen zum Sicherungskasten sollen ja neu verlegt werden.

Ich erledige anschließend den Wocheneinkauf, bevor ich Heavy wieder von der Baustelle abhole. Dieser ist bei meinem Eintreffen schwer frustriert. Er hat schon ein ordentliches Stück Putz abgetragen, aber von der Stromleitung keine Spur… Und: Er ist inzwischen ärgerlich und ungeduldig. Ich beobachte das Gekloppe und Geächze einen Moment, bis ich ihn bitte, mir kurz seinen Hammer auszuleihen. Zwar hat auch Heavy die Wand schon auf Hohlräume und veränderte Vibration abgeklopft, aber nicht wirklich konsequent. Ich gehe das Stück Wand mit dem Hammer ab wie man mit dem Zeigefinger Wörtern in einem Buch nachgeht, und finde einen potenziellen Hohlraum, eine ganze senkrechte Linie lang. Ich markiere die Stelle mit einem Stift. Nun braucht Heavy mit Hammer und Meißel nur noch meine Markierung nachfahren, im Idealfall findet sich darunter der Übeltäter. Und tatsächlich: Auftrag ausgeführt!

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Jeff und Manni sind heute auch ein ganzes Stück weiter: Der Dachstuhl ist zu großen Teilen geschlossen. Die Dämmung kann nun darunter angebracht werden. Außerdem haben sie angefangen, das Ständerwerk für die Rigipswände zu setzen. Man kann die neuen Wände schon erahnen. Außerdem duftet es im Obergeschoss nach frischem Holz. :-)

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25.03.2014 – Schutt vs. Raum und Zeit

Langweilig wird es wirklich nicht. Das habe ich mittlerweile verstanden. So war der heutige Tag eigentlich schon wieder filmreif, und ich frage mich manchmal, ob andere Menschen auch so viel Skurilles erleben? Ich finde keine Antwort darauf. Vielleicht nutzt ja irgendwer mal die praktische Kommentarfunktion, ansonsten bleibt diese Frage vorerst unbeantwortet.Um viertel nach sieben wache ich auf und genieße das Gefühl, eins mit mir und meinem Biorhythmus zu sein. Es ist echt nicht zu toppen – dieser Unterschied, von alleine, ohne Wecker aufzuwachen. Es kann sogar viertel nach sechs sein, und ich bin fitter, als wenn dieses dumme Ding mich an meinen Arbeitsplatz zitiert. Also Kaffee und Morgenmagazin zum Aufwachen, herrlich. Um halb acht klingelt Heavys Handy, und natürlich befindet jener sich noch in der Tiefschlafphase. Er wacht nicht mal auf, als ich über seine Hausschuhe an sein Bett stolpere, um ihm komatöse Gespräche zu ersparen, deren Inhalt er eh nicht länger als 2 Minuten behalten würde. Es ist Timo, der irgendein Dingenswerkzeug von der Baustelle „dringend und sofort“ braucht, das er uns netterweise ausgeliehen hat. Ich hab schon wieder vergessen, was es war. Man möge mir verzeihen – trotz der Abwesenheit von Stöckelschuh und French Nails, einigermaßen ausgeprägtem technischen und (in der Theorie) handwerklich orientierten Verstandes bin und bleibe ich dennoch mit Fleisch und Blut eine Frau. Timo und das Baustellendings. SOFORT. Sofort bedeutet in dem Fall vor zehn Minuten, denn Timo ist leider nicht mobil. Ich muss Heavy also wecken. Zum Glück ist er aufnahmefähig und nimmt das Telefon ohne Widerworte entgegen, und ich wende mich wieder meinem Kaffee zu. Weil er mir gestern vorsorglich für heute „frei gegeben“ hat, ist es keine Frage mehr, dass er sich auf den Weg macht. Ich höre noch ein bisschen Gewusel und Geknister, bis ihm auffällt, dass die Sache einen Haken hat: Den Hausschlüssel hat er gestern Jeff in die Hand gedrückt, der allerdings erst um 9 Uhr auf der Baustelle sein wird. Den zweiten haben die Glaser. Also ruft er in der Firma an und bittet darum, sich seinen eigenen Schlüssel auszuleihen, damit er ins Haus kann. Er verspricht, um halb neun wieder zurück zu sein, um den Handwerkern aufzuschließen und ihre Arbeit zu ermöglichen. Das geht in die Hose. Ich bin mir sicher. Mein Blick auf die Uhr und ein bisschen Adam Riese erhärten den Verdacht. Es ist viertel vor acht. Heavy ist noch nicht angezogen, zum Glaser fährt er eine Viertelstunde, von da aus zu Timo braucht er zwanzig Minuten, zurück zum Haus wieder zwanzig. Macht insgesamt 55 Minuten. Wären wir bei zwanzig vor neun. Heavysche Verpeilungsabweichung eingerechnet (Kacken, noch-’n-Kaffee-für-’n-Weg-kochen, Schlüssel und Handy suchen, zwei Stockwerke runter laufen, zwei Stockwerke wieder hoch, Portemonnaie suchen, runter, Auto suchen, zwei SMS schreiben) sind das mindestens 75 Minuten. Neun Uhr. Frühestens. „Ich bring auf dem Rückweg noch Brötchen mit.“ Ich korrigiere: Viertel nach neun. Dann ist er auch schon weg.Um viertel vor neun klingelt das Telefon. Eine mir unbekannte Neusser Nummer. Die Glaserei. Ich werde gefragt, ob mein „Mann“ denn schon losgefahren sei, die Handwerker stünden seit einer halben Stunde vor verschlossener Tür. Na prima, nun sind sie auch noch eine Viertelstunde zu früh. Ich gebe mich nichtsahnend und überzeugt, dass „mein Mann“ sich selbstverständlich längst auf dem Weg befindet und vermutlich jede Sekunde eintrifft. Freundlich gebe ich seine neue Handynummer weiter – als wir den Auftrag vergeben haben, hatten wir noch keinen Partnervertrag, und die Dame soll das Gefühl haben, dass Verbindlichkeit bei uns ganz groß geschrieben wird. Grundsätzlich sind wir verbindlich… allerdings innerhalb der Möglichkeiten von Heavys Zeit-und-Raum-Kontinuum. Wird schon schief gehen, denke ich mir. Dabei muss ich meinen Zwang, alles zu regeln, auch nur ein ganz kleines bisschen unterdrücken. Nein, diesmal rufe ich ihn nicht an!
Drei Minuten später erhalte ich eine SMS, in der er mich nach meinen Frühstückswünschen erkundigt, er besorge noch Aufschnitt.

Um viertel vor zehn geht das Türschloss. Und das Telefon. Patrick schafft es nicht, wie vereinbart, um zehn, frühestens halb elf. Ich muss lachen. „Kein Problem, wir frühstücken jetzt sowieso erst, hier läuft wieder alles chaotisch.“ Am anderen Ende der Leitung höre ich einen erleichterten Seufzer. Wie leicht die zwei es sich doch machen könnten, wenn sie ihre Verabredungen einfach per se immer eine halbe Stunde hinter die Zeit schieben, die sie für realistisch halten. Offenbar gibt es doch ein paar Gefährten auf Heavys Zeitachse.

Beim Frühstück gibt Heavy alles, um seine guten Partnerqualitäten noch ein bisschen mehr in den Vordergrund zu stellen.

„Ich hab‘ mir überlegt, du warst gestern so fertig nach dem Ikea-Einkauf, du bleibst heute zuhause und ruhst dich aus.“
„Aber…“
Weiter komme ich vorerst nicht.
„Kein Aber.“
„Doch.“
„Nein. Du hast dir deinen Urlaub verdient. Leg dich einfach auf die Couch und guck Serien oder lies‘ was.“
Mann, ich brauch doch keine Beschäftigungstherapie. Ich kann mich gut alleine beschäftigen. Außerdem scheint draußen die Sonne, und in der Wohnung ist es so dunkel. Ich will raus. Und, ja, mann, ich gebe zu, ich will nichts verpassen. Den Weg zur Müllkippe in Mönchengladbach, wo wir den Bauschutt kostenlos abgeben können, kenne ich im Schlaf. Ich will gucken, wie weit Jeff ist, und ich möchte dabei sein, wenn wir den Apothekerschrank und die Badezimmer-Keramik abholen. Ist das gerade mein Kontrollzwang? Ich glaube: Ja! Aber ich glaube auch, dass da mittlerweile vielleicht eine abgeschwächte Form von Leidenschaft entstanden ist, weil ich es nicht mehr nur furchtbar finde, ein eigenes Umbau-Projekt zu haben. Vielleicht ist das Jugendtrauma ja tatsächlich mittlerweile einem eigenen Interesse gewichen, die Dinge in die Hand zu nehmen und mich mit Materialfragen oder Problemstellungen auseinander zu setzen, welche alle mit Dreck, Staub, Blut, Schweiß und Tränen zu tun haben. So richtig dreckig männlich. Vielleicht. Vor zwei Wochen hat meine Mutter mich Heavy gegenüber noch stolz als „echtes Müllkind“ angepriesen. Sie wollte damit ausdrücken, dass er meiner Einschätzung, was die Befüllung von Schuttcontainern angeht, ruhig mehr vertrauen darf. Als wirkliches Kompliment habe ich das nicht verstanden, aber irgendwie war es das ja. Mir ist tatsächlich aufgefallen, dass meine Eltern mich als sowas wie „bauerfahren“ einstufen. Und das ist wirklich neu. So richtig gewöhnt war ich nur an die Rolle der baustellenüberdrüssigen Tochter. Nicht zuletzt, weil wir innerhalb meines Mietverhältnisses in der elterlichen Einliegerwohnung ein stillschweigendes Einvernehmen gelebt haben. Ich beschwerte mich nicht über objektiv betrachtet nicht tolerierbare Zustände in meiner Wohnung, dafür lebten sie mit einer eigentlich zu knapp bemessenen Miete. An sich sind wir damit gut gefahren. Aber meiner Ex-Wohnung steht es sehr gut, dass ihr jetzt endlich zeitgemäße Heizkörper und ein, so glaube ich wenigstens, bald sehr schnuckeliges Badezimmer geschenkt wird. Nun ja. Wir haben alle daraus gelernt, und es hat uns nicht geschadet. Um den Faden wieder aufzunehmen: Ich habe viel gelernt auf dem Bau. Angefangen mit den Gepflogenheiten im Gladbacher Luisental, weitergeführt beim Thema Werkzeug- und Materialkunde (auch wenn ich mich da manchmal gerne doof stelle, siehe oben) und… ach, ist doch auch egal. Es ist Zeit, mit der Wahrheit rauszurücken: „Ich wäre einfach gerne dabei!“ Jetzt ist es raus. „Okay, dann fahr mit. Wir können deine Hilfe brauchen.“ Ich muss dazu sagen: Die Plackerei Samstag mit der Schuttschaufelei hat mich weniger angestrengt als der gestrige Einkauf bei Ikea. Und ich schwöre: Das ist die Wahrheit.

Zuende gefrühstückt. Ich belege uns noch fünf Brötchen für die Fahrt. Als ich meinen Rucksack damit bepacke, entdecke ich eine weitere Bäckertüte mit zwei Amerikanern drin. Seltsam, sowas isst Heavy sonst gar nicht. Das muss er für Patrick besorgt haben. Manchmal ist er wirklich rührend. Bei dem vorgenommenen Tagespensum kann es jedenfalls nicht schaden, die Zahl der Tankstellen- und Mc-Donald’s-Aufenthalte zu minimieren. Patrick und ich sind uns in einem sehr ähnlich: Wenn wir Hunger haben, muss SOFORT was her. Warum das bei Patrick so ist, weiß ich nicht. Bei mir handelt es sich dabei um eine meiner unzähligen Schrulligkeiten. Wer sich mit dem Thema Hochsensibilität auskennt oder schonmal befasst hat, weiß, dass wir HSPler körperliche Missverhältnisse nicht gut und v.a. nicht lange aushalten können. Ich werde nicht mal zur Diva, mir geht es einfach richtig schlecht, und ich kann nicht mehr klar denken. Es ist, als würde jemand die Leitung zum Gehirn kappen, mir wird schwindelig und einfach nur wäääh…

Ich muss mich unbedingt kürzer fassen.

Im Haus basteln Jeff und Manni am Dachstuhl und dem Ständerwerk für den Trockenbau herum, unten sind insgesamt vier Glaser mit dem Panoramafenster im Wohnzimmer beschäftigt. Es macht wenig Sinn, die Abläufe hier zu stören, also machen Patrick, Heavy und ich uns schnell ans Ankuppeln des bauschuttbeladenen Hängers. Heavy rollt mit den Augen, als ich anmerke, dass ich die Ladung von hinten beobachten werde, wenn er die Einfahrt verlässt, bevor wir uns auf den Weg machen. Ich höre noch die Stimme meiner Mutter: „Wenn der Hänger X-Beine macht, dann isser zu voll.“ Patrick steht neben mir und beobachtet konzentriert das Gespann. Dass die Reifen sich ein bisschen wölben, lässt sich mit ein bisschen mehr Reifendruck leicht beheben. Je enger Heavy allerdings beim Abbiegen aus der Einfahrt einschlägt, desto x-beiniger wird der Kamerad. Das geht gar nicht! Wie jetzt Heavy das beibringen, ohne dass er es für eine der üblichen Spitzen meines neurosendurchtränkten Charakters hält? Ich brauche weiter gar nichts tun, Patrick himself wirkt auf meinen Liebsten paranoid genug, um der unbekümmerten Weiterfahrt Einhalt zu gebieten. Am besten gebe ich jetzt außer einem möglichst ruhigen „so-können-wir-nicht-fahren“-Kommentar nichts mehr von mir. Stattdessen wird es keine zehn Sekunden dauern, und Heavy erwartet im Gegenzug Lösungsansätze von mir. „Wie ist die Alternative?? Das Zeug MUSS weg.“ Dramatik tut sich auf. „Mindestens ein Drittel abladen.“ Auch das sage ich bemüht ruhig. „Es hilft ja nichts, Sicherheit geht vor.“ Heavy ist richtig sauer und sucht händeringend nach einem Schuldigen, dem er diese Unverschämtheit unterjubeln kann. Außer Patrick und mir ist leider niemand da. Und dass ich nicht dabei war, als die Entscheidung fiel, wie voll der Anhänger beladen werden kann, kann er nicht bestreiten. Ich vermute mal, dass er insgeheim für den Moment meinen Vater als Schuldigen auserkoren hat, weil er so ein instabiles Ding da hin gestellt hat. Dankenswerterweise behält er dies allerdings für sich. Weil er sich selbst gerade klar macht, dass er froh sein kann, dass der Hänger überhaupt da ist, weil er sonst nämlich ganz andere logistische Probleme schon nicht zu lösen gewusst hätte. Er feuert seine Handschuhe irgendwohin, jene waren außerdem eh eine Mogelpackung: „Und wieso habe ich überhaupt zwei LINKE Handschuhe???“ Das weiß keiner so genau. Dann stürzt er ins Haus, um die Glaser zu fragen, ob sie „kurzfristig“ einen zweiten Hänger organisieren können. Wir sind mehr als überrascht, als die Antwort kommt: „Einen zweiten Hänger nicht, aber ihr könnt unseren Transit nehmen.“ Wow. „Aber der Dreck?? Und was sagt der Chef dazu?“ – „Dreckig ist das Ding eh, und Chef ist im Urlaub. Passt schon. Ihr habt Not, wir helfen euch.“ Doppel-wow. Ich bin sprachlos. Und meine Neuröschen springen im Dreieck: Und wenn was passiert? Welche Versicherung zahlt? Und wenn Chef das trotzdem merkt? Wir können jetzt nicht noch zusätzlichen Ärger gebrauchen. Die Jungs wirken so ruhig und alle vier sicher in ihrer Entscheidung, dass weiteres Zweifeln nicht angemessen ist. Darin bestärkt mich Heavy auch nochmal: „Schalte jetzt einfach mal deinen Kopf aus und nimm‘ die Hilfe an, was Besseres kann uns jetzt gar nicht passieren.“ Recht hat er. Der Transit ist schnell umgeparkt, mit der Ladefläche zum Hänger gerichtet. Große Filzdecken werden ausgebreitet. Patrick, Heavy und ich verteilen die größten Brocken in den Bus. Die machen am wenigsten Dreck und laufen auch keine Gefahr, sich quer durch den Laderaum zu zerstreuen. Das Ganze geht erstaunlich schnell.

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Danach überlegen wir, ob wir nun tatsächlich die Gladbacher Kippe anfahren sollen mit einem Neusser Fahrzeug. (Mein Auto trägt nach wie vor stolz das alte „MG“.) Wer weiß, ob das da ohne Probleme durchgeht. Ich googele nach der Telefonnummer, um dies im Vorfeld abzuklären und stoße dabei – zum Glück – auf die Öffnungszeiten. Heute ist Ruhetag. Oh mann. Was für ein Wahnsinn, wären wir mit X-Beinen völlig umsonst 30 km in meine alte Heimat gegurkt, um dann vermutlich mit Achsbruch mitten auf der Autobahn vor einem riesigen Schutthaufen zu stehen. Im schlimmsten Fall einen Auffahrunfall provozierend. Ziehen wir also das Gute aus der Situation. Ohne unsere hemmungslose Überladungsfreude wäre ich niemals auf die Idee gekommen, nach den Modalitäten der Gladbacher Abfallentsorgung zu suchen. Es gibt also tatsächlich noch etwas, das ich bisher noch nicht über die olle Kippe wusste. Die Frage stellt sich also nicht mehr, wir fahren nach Grefrath. Patrick und ich vorne mit Papas Hänger, zwei abenteuerlustige Glaser mit Heavy im Schlepptau im Transit hinten. Mit dem Auftrag, unsere Achse im Auge zu behalten und notfalls anzurufen. Der Anruf lässt keinen Kilometer auf sich warten, zum Glück harmlos: „Mit der Achse ist alles okay. Wir fahren Schleichwege, die Jungs wollen nicht an der Firma vorbei fahren…“ Patrick und ich brechen in schallendes Gelächter aus. Das gibt fast Stoff für einen Film her… Inkognito auf dem Weg zur Müllentsorgung. Andere machen sowas, weil sie illegalen Giftmüll transportieren. Wir karren harmlosen Bimsstein und eine abgenudelte Kloschüssel durch die Gegend. Herrlich. Patrick gibt zu bedenken, dass wir uns mit Müllkippenaufträgen wohl besser nicht mehr an ihn wenden sollten. Scheinbar bringe er uns kein Glück. Bei unserer letzten gemeinsamen Fahrt hat die Caritas uns die Tür vor der Nase zugeknallt, und wir haben wir einen blauen Sack voller Kleiderbügel mitten auf der Autobahn verloren. Und wir haben uns genauso illegal gefühlt, aber auch mindestens genau so viel Spaß dabei gehabt. Im Verbotenen liegt halt irgendwie ein besonderer Reiz. An der Deponie angekommen dauert es eine Weile, bis wir den richtigen „letzten Haufen da hinten“ gefunden haben. Grefrath ist in dieser Hinsicht aber auch wirklich sehenswert. Hier ein paar Eindrücke:

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Die Glaser finden uns anscheinend entweder sympathisch oder aber niedlich-hilflos. Jedenfalls sind sie von ihrer eigentlichen Arbeit lange nicht zu müde, um uns mit voller Tatkraft beim Schaufeln zu unterstützen.

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In weniger als zehn Minuten sind Bims- und Klostein auf dem Haufen entsorgt, und alle sind zufrieden. Für den Geldbeutel allerdings ist Grefrath keine gute Empfehlung: Kann man in Mönchengladbach den Bauschutt nach wie vor umsonst entsorgen, zahlen wir hier für 1,1 Tonnen 33 EUR. Heute scheißegal. Wir sind einfach nur froh, dass wir inklusive Hänger sicher und unbeschädigt angekommen sind. Und wir stellen fest, dass wir mit voller Ladung und nur zu dritt in Mönchengladbach auch nicht schneller gewesen wären. Schon gar nicht am Ruhetag. Im Nachhinein also doch alles nicht so schlimm.

Für Patrick und mich ist jetzt dringend Zeit für Brötchen. Heavy schickt derweil Patrick, der immernoch am Steuer sitzt, hier lang und dort lang zu Reuters Badshop, ohne zu wissen, in welche Stadt wir überhaupt fahren müssen. Und auch ohne zu wissen, ob wir unsere Lieferung heute überhaupt abholen können. Für die Recherche nach der Telefonnummer, um selbiges abzuklären, benötigt er fast so lang wie wir dorthin fahren, denn die Adresse habe ich zwischenzeitlich im Internet ausfindig machen und ins Navi eingeben können. Vom Laden bin ich relativ enttäuscht. Das ausgestellte Zeug ist schrecklich exquisit, und in die Mondpreise wurde vermutlich auch die vom Kunden verbrauchte Atemluft einkalkuliert. Da steht doch tatsächlich eine Badewanne für 22.000 EUR! Und das noch nichtmal mit Whirlpool. Patrick, der alte Fuchs, kauft eine Klobürste… für 29 EUR. Ich gebe zu, meine WG-Zeiten mit Klobürsten von Kodi für 1 EUR/Stück sind auch langsam vorbei, aber ich bin ehrlich gesagt ein bisschen sprachlos, was so ein blödes Ding, das man aus hygienischen Gründen wohl regelmäßig austauschen sollte, kosten kann. Und bei Reuter sind wir da preislich sicherlich noch nicht im Hochpreis-Segment. (Es gibt tatsächlich eine Badezimmerlinie von Joop!) Ich muss ein wenig entschärfen: Das Online-Angebot der Firma und die Preise für Interessen normaler Erdenbürger sind wirklich okay. Klar, denn sonst hätten wir dort nicht bestellt. Patrick hat die PIN seiner EC-Karte vergessen und zahlt schließlich in bar. Diesen Zwischenfall auch hinter uns lassend, können wir nun endlich zum Logistikcenter fahren. Denn DORT ist unsere Bestellung, nicht im Badshop, wie ich irgendwie erst verstehe, als wir wieder auf dem Weg zum Auto sind. Der Ablauf am Lager ist relativ unspektakulär, und auch danach gibt es außer ein bisschen Gezicke zwischen den beiden Jungs und Heavy und mir nicht wirklich viel zu berichten. An unserem Haus angekommen, hilft Patrick noch beim Verladen der Keramik in die Garage und macht sich dann wieder auf den Heimweg.

Jeff und Manni sind wieder ein ganzes Stück weiter gekommen. Chris, unser Holzlieferant für den Fußboden und Andreas, unser Sanitärmann, trudeln ein, um die Nivellierung vom Fußboden zu besprechen. Jeff und ich schaffen es, Heavy zur völligen Entgeisterung zu treiben, als wir ihm verkünden, dass wir Schlafzimmer und Bad offen ineinander übergehend gestalten wollen. Er macht sich Sorgen um die Behaglichkeit unserer potenziellen Gäste, die sich beim Duschen durch Heavys Schnarchen bedrängt fühlen könnten. Auch wenn die Vorstellung, den Raum offen zu gestalten, tatsächlich reizvoll ist, handelt es sich hier um reine Provokation, die ihr Ziel offensichtlich erreicht hat. Heavy ist richtiggehend entrüstet ob solch abstruser Ideen. Andreas meint dazu nur trocken: „Geile Idee. Leben müsst IHR allerdings danach damit.“ Die Dusche wird nach neuestem Stand nun doch noch woanders hin versetzt, aber vorerst war es das mit Planänderungen. Weniger ist eben doch mehr.

Zuhause gibt es Pommes mit Frikandel, in der hauseigenen Frituur zubereitet. Und danach… klar… DERBY.

Vor lauter Extremblogging habe ich gar nichts mitbekommen, stelle jetzt nur fest, dass Heavy ein klein bisschen enttäuscht ist. (Dortmund : Schalke / 0:0.)

Morgen wieder Schuttschaufeln, und danach holen wir endlich den Apothekerschrank!

DANKE, Patrick, für deine Hilfe. Und natürlich auch danke an die anonymen Schuttverschlepper. Ohne euch wären wir wirklich mehr als aufgeschmissen gewesen!!

Außerdem ist es an der Zeit, einen nicht minder herzlichen Dank an unsere Supporter im Hintergrund auszusprechen. Es gibt da draußen ein paar Leser, die gespannt unsere Beiträge verfolgen. Euer Feedback ist meine Motivation, weiter zu schreiben. DANKE <3

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24.03.2014 – Alles dreht sich um die Küche

Ich muss jetzt mal eine Lanze für das vermutlich unterbezahlte, dafür wirklich kompetente Personal in der Küchenabteilung von Ikea brechen. Wenn ich da an unseren kläglichen Versuch denke, bei Hagebau eine robuste „Bau-Schubkarre“ zu erwerben und die überforderten Bemühungen der Mitarbeiter dort – kein Vergleich! Aber von vorn…

Um kurz vor neun brechen wir auf, um Jeff die Haustüre aufzuschließen, denn ab heute geht’s los: Der Wiederaufbau startet. Auf dem Weg zum Auto – gehe niemals zweimal – beschließt Heavy, unsere Pappberge noch eben schnell in den Container zu manövrieren. Vermutlich hätten wir das einfach lassen sollen, denn manchmal ist es einfach zu viel im Kopf. Wir beide sind groß darin, mit zu viel Aufgabenstellungen das Ein oder Andere hinten über fallen zu lassen. Nach Umparkerei des Passats wieder an meinem Auto angekommen, bricht Heavy jedenfalls auf einmal in Panik aus und beginnt, nervös zuerst an seiner Jacke, dann am Beifahrersitz und schließlich an seinem Rucksack rumzunesteln. „Scheiße“, kommentiert er sein Gewusel, „ich habe mein Portemonnaie verloren… da waren 400 EUR drin“. Irgendwas ist immer. Ich ziehe ihn schon manchmal auf, weil er beim Verlassen der Wohnungstür gebetsmühlenartig vor sich hin murmelt, was er alles eingepackt hat, um nichts zu vergessen. Dabei ist die Trefferquote dessen, was noch nicht berücksichtigt wurde, relativ hoch. Und am besten mische ich mich in dieses Ritual gar nicht erst ein, denn dann bringe ich zusätzliche Unruhe hinein, dann geht gar nichts mehr…

In diesem Fall ist er jedenfalls überzeugt, seine Geldbörse eingesteckt zu haben, und zwar in seine Sweatshirtjacke, wo sie sich nun nachweislich nicht mehr befindet. Er eilt zurück zum Papiercontainer, während ich das Auto durchsuche und mich anschließend auf den Weg zum Passat mache, um nochmal den Bürgersteig abzugrasen. Nichts. Ich laufe wieder zurück und rufe währenddessen Jeff an, der schon vor verschlossener Tür auf uns und den Holzlieferanten wartet. Heavy durchsucht die Wohnung. Als ich wieder vor unserer Haustüre stehe, schüttelt er frustriert den Kopf. Er schaut ein weiteres Mal am Papiercontainer. Auch diesmal wird der Kopf geschüttelt. Ich beschließe, selbst noch einmal in der Wohnung zu suchen. Auf halber Höhe zum dritten Stock ruft Heavy mich zurück. „Es war doch in meinem Rucksack“. Was für ein Glück. Das Adrenalin der letzten halben Stunde hat wenigstens dazu geführt, dass ich jetzt wach bin…

Jeff ist erleichtert, dass wir es noch vor Eintreffen des Holzlieferanten geschafft haben. Gemeinsam tragen wir sein Werkzeug in den ersten Stock, und dann steht der LKW auch schon vor der Türe. Während die Jungs die Balken für das Ständerwerk ins Haus schleppen, kümmere ich mich um saubere Kaffeetassen und Sanitärhygiene. Danach haben wir Zeit, nochmal die Abmessungen für die neuen Wände durchzugehen. Ich kann mich endlich absichern, dass sowohl die neuen Kleiderschränke ins Schlafzimmer als auch der Antikschrank in den neuen Flur passen. Heavy belächelt mich für derartige Fragestellungen manchmal, und ich habe in der Vorbereitung der Bauphase häufiger aus Männermündern gehört, dass man Häuser nicht nach Möbeln umbaut, aber für mich ist das wichtig. Und mit der Lösung, die gerade mal ein Jahr alten Kleiderschränke vom Heavy oben abzusägen, fühle ich mich nicht wirklich wohl. Die Dinger sind 2,37m hoch, die neuen Decken kommen vermutlich nicht ganz daran, sodass wir mit der Schräge ein bisschen schummeln und die Schränke einfach ein Stück von der Wand abrücken werden. Dasselbe gilt dann für meine Schränke. Denn beim letzten Umzug hat mein oller Kleiderschrank dermaßen gelitten, dass er einen weiteren nicht mehr mitmachen wird.

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Teil 1 der Vorbereitung des Ikea-Marathons ist also mit der Abmessung der Wände erledigt. Für Teil 2 geht es zu meinen Eltern. Wir sprechen die Küchenpläne noch einmal durch. Papa hat bereits Erfahrung im Ikea-Küchen-Tetris und Mama den absichernden Blick fürs Ästhetische. Hinzu kommt der jahrzehntelang wohlerprobte Haushaltspragmatismus. Schubladen, Auszüge oder doch lieber Regalböden? Glastüre? Extrahohe Oberschränke, Komforthöhe der Arbeitsplatte? Fragen über Fragen. Heavy und mir raucht auf verschiedene Weise schnell der Kopf. Bei mir überschlagen sich die Gedanken, so schnell kann ich gar nicht formulieren, und ich überfordere Andere, insbesondere Heavy, damit leicht. Sie springen nach Prioritäen durcheinander, so, wie nur ich es verstehe. Heavy dagegen ist ein visueller Mensch, er hält sich in solchen Situationen an Papier (oder wahlweise Excel) fest. Beide Eigenheiten verursachen einen Tunnelblick, nur laufen die Tunnel nicht unbedingt parallel, und so kann es schonmal knallen, weil wir nicht verstehen, wovon der jeweils Andere spricht. Meine Eltern grinsen über die peinlichen Momente einfach hinweg. Drei Stunden später sind wir endlich fertig und haben eine grobe Vorstellung von unserer neuen Küche. Dass diese später doch wieder anders aussehen wird, ahnt zu dieser Zeit noch niemand.

Teil 3 ist also die Durchführungsphase. Wir fahren mit unserer langen Liste zu Ikea. Vorab informieren wir uns im Warenlager über die Lieferkonditionen. Es scheint alles nach unseren Vorstellungen möglich zu sein. Wir laufen von Abteilung zu Abteilung und notieren auf einem kleinen Zettel die Artikelnummern aller Kleinteile, die in die Lieferliste aufgenommen werden müssen. Kleiderschränke, Beistellschränkchen, Waschbeckenschrank kommen zusammen, bevor wir endlich in der Küchenabteilung auflaufen. Hier kann ich mich einloggen und unseren abgespeicherten Küchenplaner aufrufen, den die Beraterin nun mit uns durchgeht. Wegen der ausgewählten Dunstabzugshaube muss der Herd doch noch einmal versetzt werden, der Kasten mit den Rohrleitungen ist im Weg… Auszug- und Schubladenschränke werden zugunsten einer Abfalllösung ebenfalls noch einmal verschoben. Am kompliziertesten gestaltet sich die Auswahl der Arbeitsplatte. Weil wir – ich – eine Massivholzplatte haben möchte(n), unsere Maße aber leider nicht dem Standard entsprechen, müssen wir uns zwischen der hochwertigeren, maßangefertigten und der einfachen entscheiden. Beide zusammen seien nicht gut, denn die Stabverleimung ist anders gefertigt, und die Färbung fällt unterschiedlich aus. Dummerweise soll der Herd frei stehen und von der anderen Seite mit einem Überstand als Theke nutzbar sein. Das setzt eine breitere, und somit die hochwertigere, Platte voraus. Diese ist unverhältnismäßig teurer. Wir beschließen, den rechten und den Mittelschenkel mit der durchschnittlichen Ausführung und die Herdseite mit der Komfortbuche zu bestücken. Auf der Herdseite ist ein anderer Lichteinfall, fällt mir ein, damit wird die unterschiedliche Färbung nicht so auffallen. Dort bekommen wir nun 90cm Tiefe, damit man auf der anderen Seite sitzen und seine Beine frei bewegen kann. Die Idee, ein Thekenbrett in einer weiteren Stufe oben auf zu setzen, lassen wir ganz schnell fallen, als wir sehen, dass wir damit über 250 EUR sparen können. Meine Güte. Das Teuerste an der ganzen Küche ist im Verhältnis meine Massivholzplatte. Ich habe ein richtig schlechtes Gewissen… Und gleichzeitig bin ich dankbar, dass Heavy das kommentarlos mitträgt. Eine furnierte Spanplatte kommt mir nicht in die Tüte, und eine Steinplatte ist genauso teuer und (für meinen Geschmack) auch noch hässlich dazu. Die Verkäuferin denkt an alles. Dass wir Zierblenden brauchen z.B., wenn der Herd eine Insellösung darstellen soll. Dass wir die Küche im Boden verschrauben müssten, wenn wir die Theke noch oben auf setzen würden, weil ansonsten die Schränke kippen, wenn sich jemand darauf abstützt. Dass wir eine Dampfsperre für die Spülmaschine brauchen, weil sich ansonsten das Buchenholz durch die Hitze mit der Zeit nach oben wölbt, dass wir wegen der Fenster auf die Position der Mischbatterie achten müssen (wie gut, dass Papa da schon ein Auge drauf hatte!). Dass wir den Spülschrank als Abfallschrank nutzen sollten, weil wir ansonsten Platz verschenken. Ich merke, dass auch Heavy der Verkaufsberaterin gegenüber ausnahmsweise freundlich gestimmt ist. Keine Spur von der üblichen „das-sind-alles-Verbrecher“-Einstellung. Nur beim Thema Dampfsperre bemerke ich das Zucken um seine Mundwinkel. „Was ist denn das für ein Material, und was kostet das?“

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Als wir – eigentlich zufrieden – mit unserer Lieferliste in Richtung Kasse marschieren, bleibt er der Auslage silberner Folien stehen. „Wenn das mal ausreicht“, kommentiert er zweifelnd, und hält mir die Packung mit der Aufschrift „Dampfsperre“ unter die Nase. Kurz vermisse ich den Satz, dass er die auch bei 3M selber machen kann, bis mir einfällt, das bestimmte Gepflogenheiten wohl endgültig der Vergangenheit angehören. Jedenfalls die 3M. Zum Glück. Und über 5,99 EUR muss man selbst mit Heavy nicht lang diskutieren. Kritisch wird es erst im zweistelligen Bereich. Unser Beratungsgespräch ging über viereinhalb Stunden, inklusive Schichtwechsel. Beide Damen waren sehr kompetent und gaben uns wertvolle Hinweise, wie wir unsere Küche kostengünstig und trotzdem schön, aber praktisch halten können. Über den Topf, den ich mir in der Markthalle noch einpacke, weil der auszurangierende Kollege zuhause mir andauernd die Finger verbrennt, verliert Heavy schließlich doch noch seine Geduld. 36 EUR für ein Teil mit innenliegenden Schrauben, das kann er nicht nachvollziehen. Ich bin ein bisschen geknickt, trotzdem überzeugt genug von der Qualität meines Ikea-Eiertopfes zuhause, sodass ich die schlechte Stimmung in Kauf nehme und das Teil trotzdem einpacke.

Die Küche wird übrigens, wenn alles gut geht, am 16.04. inklusive aller weiteren Kleinteile, die wir ausgesucht haben, geliefert.

Nach der langen Odyssee geht’s in den Drusushof. Hacksteak mit Möhrengemüse für 6,50 EUR ist ein echter Schnapper, und außerdem superlecker. Heavy gibt sich stilsicher Kasseler Kotelett mit Sauerkraut, Kartoffelpürree und Weizenbier.

Was für ein Tag!

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22.03.2014 – Familientag und schon wieder eine Wand weniger

Ab heute soll es mit der Anstrengung nach und nach abnehmen. So war zumindest der Plan – und doch kommt wieder alles anders.

Als ich um kurz nach elf auf der Baustelle auflaufe, sind Timo, Torben und Heavy mit dem Estrich im Obergeschoss beschäftigt. Torben zieht heute ordentlich das Tempo an, er hat später noch Einiges in eigener Sache vor. Leider muss ich die wunderbare Zusammenarbeit stören, indem ich einen der drei für die Fahrt zur Mülldeponie abziehe. Nur wen? Weil ich die Entscheidung nicht treffen möchte, erteile ich Heavy als Bauherr das Wort. Der wiederum will ebenfalls nicht entscheiden. Schließlich ist es Timo, der sich kurzerhand entscheidet, mitzufahren. Für mich die richtige Entscheidung, denn jener kennt sich mit den Grefrather Gepflogenheiten aus und lotst mich wunderbar über den Parcours. Hier muss man wirklich genau wissen, wo es lang geht. Dagegen ist das Luisental klein und schnuckelig. Eingangs wird mir Waage 1 zugewiesen, und ich muss am Schalter Kennzeichen, Name und Anschrift mitteilen, um eine Hängerladung Entrümpelungszeug (Kackstuhl, alte Koffer, Bücher und was wir sonst noch alles für uns Nutzloses gefunden haben) loszuwerden. Nach der Waage fahre ich ein paar Schleifen, bis wir vor der großen Halle für den „Restmüll“ stehen. Ich bin beeindruckt:

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Nach dem Abladen müssen wir auf Waage 3, um das Leergewicht festzustellen.
Trotzdem Timo und ich sehr schnell wieder zurück sind, reicht die Zeit nicht für eine zweite Tour, denn die Deponie schließt samstags um 12.30 Uhr ihre Pforten. Ich finde 42 EUR für eine Ladung Hausmüll ziemlich überteuert, aber ich will auch nicht mit ewigem „in-Gladbach-ist-alles-besser“-Geheule nerven…

Nach und nach trudelt meine Verwandtschaft ein: Papa kommt, um erste Schritte in Richtung neuer Elektrik zu unternehmen. Mein Bruder Sebastian und mein Cousin Thorsten bieten ihrerseits ihre Fingerfertigkeit an. Zu großen körperlichen Anstrengungen soll es ja heute angeblich nicht mehr kommen. Also können wir getrost auch rückengeschwächte Helfer auf die Baustelle zitieren…

Im nächsten Schritt wird auch der letzte Rest merkwürdiger Raumteilelemente entfernt: Das Brett zwischen Küche und Wohnzimmer sowie das merkwürdige Bücherregal mit eingebauter Laternenanlage müssen dran glauben.

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Wieder mehr Zeug für den Riesencontainer also, und das Ding ist immernoch nicht voll…

Nach einer ausgiebigen Wurstpause treffen wir eine folgenschwere Entscheidung. Der geplante „begehbare Kleiderschrank“ wird zu klein und wäre damit zwar begehbar, aber dann eben nicht als Kleiderschrank nutzbar. Mensch und Regal in einen Raum würde nicht passen. Also muss sie weg, die letzte, noch fast vollständig erhaltene Wand. Timo und Heavy stöhnen. Schon wieder schleppen! Auch Sebastian ist nicht wirklich begeistert. Wir hatten uns alle im Vorfeld gefreut, heute nicht allzu schweißtreibend arbeiten zu müssen. Papa amüsiert sich. „So ist das eben, wenn man ein Haus umbaut…“ Das Absurde an der Geschichte: Wir müssen zunächst die Tapete von der Wand nehmen. Diesmal soll der Bauschutt nämlich ins Luisental, weil die Entsorgung dort kostenlos möglich ist. Dafür dürfen allerdings keine sich zersetzenden Bestandteile in der Ladung sein. Wir hatten zwar heute ohnehin vor, mit den Tapeten anzufangen, aber eine derart sinnlose Aktion habe ich nur einmal vorher erlebt, nämlich, als wir die Wohnung meines verstorbenen Bruders auflösen mussten und der Vermieter tatsächlich darauf bestand, dass wir auch die Tapeten von den Wänden nehmen… Heute also auch Tapeten von Wänden ablösen, die eigentlich niemanden mehr interessieren. Wie schön wäre gewesen, wenn wir wenigstens an den Wänden hätten anfangen können, die später auch neu verputzt werden. Zum Glück hat mein fürsorglicher Vetter eine Packung Tapetenlöser dabei. Hier hängt die Wirksamkeit allerdings schwer vom Tapetenmaterial ab: Auf der Flurseite tun wir uns schwer, auf der Schlafzimmerseite geht das Papier fast quadratmeterweise in einem Zug runter.

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Weil Timo diese Arbeit hasst wie die Pest, haben wir nach einer halben Stunde tatkräftiger Mithilfe seine Geduld überstrapaziert. Von nun an beschränkt er sich bei der Tapetenaktion auf kluge Ratschläge und ein kühles Blondes. Mein Vater kocht indes weiter sein eigenes Süppchen in Sachen Elektrik.

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Danach geht’s erst so richtig los: Timo und Heavy haben die Wand innerhalb einer halben Stunde eingerissen, die Schlepperei kann leider Gottes losgehen.

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Es werden von vornherein Regeln festgelegt. In Abhängigkeit der eigenen Körperkonstitution macht jeder nur das, was er sich wirklich zutraut. Anders geht’s nicht. Thorsten und mich mit Schleppen der schweren Kübel zu belasten, wäre fahrlässig. Also schnappt er sich den kleinen Kübel, die Anderen tragen die großen, jeweils zu zweit. Meine Aufgabe ist es, die Eimer jeweils zu beladen. Nicht so schwer wie schleppen, dafür immer wieder bücken, schaufeln und irgendwie Ausdauersport.

Papa erteilt Heavy seine Hausaufgaben für den kommenden Samstag: Er soll in der Küche hinter dem ehemaligen Küchenoberschrank den genauen Standort einer Elektroleitung ausfindig machen. Hierzu wird der rechte Oberschrank abgenommen. Danach gibt es eine beinahe übersehene Überraschung: Während wir Gläser und Tassen noch in Kartons verstauen, haben sich plötzlich der Mittelschrank und die Dunstabzugshaube verabschiedet und hängen ganz schief…

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Wir schaffen es gerade noch, den Schrankinhalt zu retten, bevor das Gewicht das Ding in die Knie gezwungen hätte. Papa hat wieder ordentlich Spaß. Na klar, ist ja ausnahmsweise mal nicht SEINE Baustelle. :-)

Nach diesem Tag sind wir alle ordentlich platt. War wohl nix mit leichter Arbeit…

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DANKE an Papa, Sebastian, Timo, Torben und Thorsten! Wir entschuldigen uns jetzt schon in aller Form für den Muskelkater, den ihr alle voraussichtlich morgen haben werdet. :-( Dafür wir haben eine Menge geschafft!

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18.03.2014 – Spaß am Dienstag

Dienstagabend. Heute also wirklich Baustelle nach der Arbeit. Ich hoffe, dass ich die erste Stunde meiner typischen Feierabendlaune irgendwie verbergen kann… Heavy holt mich von der Arbeit ab, und wir fahren zusammen zum Haus.Dort bin ich überrascht: Es sind schon fast alle neuen Fenster drin, zwar noch mit „Arbeitsgriffen“ und nicht zu öffnen, aber immerhin. Die weißen Rahmen sehen direkt viel moderner aus. Weil wir Besuch von Heavys Eltern haben, zeigen wir ihnen erstmal, wie weit wir in den letzten Wochen mit dem Abriss gekommen sind. Sie sind begeistert – und nach einem kurzen Kaffee auch schon wieder weg, um beim Arbeiten nicht zwischen die Maschinen zu geraten.Renne und Jeff sind bald da, und dann kann’s auch schon losgehen. Während der Bauherr den beiden Helfern die nächsten Schritte erläutert, kümmere ich mich schonmal um den Bitumen-Haufen, den Heavy tagsüber beim Abtragen vom Balkon produziert hat. Die schweren Brocken müssen zunächst auf die Schubkarre, damit ich sie zum Bauschutt-Container transportieren kann. Mein lieber Scholli, die Dinger sind teilweise nicht größer als eine Din-A-4-Seite, wiegen aber gefühlte Tonnen…
Als ich fertig bin, gesellt sich Renne zu mir und schreit nach Arbeit. Also entrümpeln wir weiter im Hof. Es gibt tatsächlich immer noch Holzlatten, und v.a. gibt es auch noch Platz im Riesencontainer. Am Wochenende sind wir hoffentlich so weit, und es gibt keine Holzreste mehr, sodass das 36m³-Schiff endlich abgeholt werden kann. Uns haben tatsächlich schon Nachbarn angesprochen, ob wir das Haus komplett abreißen, weil wir so viel Müll produzieren… Renne, der dazu gekommene Bernd und ich wurschteln uns also an Nägeln und Schrauben vorbei, stapeln Latte für Latte, bis alle Dielenhölzer weg sind.Drinnen wird’s jetzt laut: Heavy und Jeff versuchen mit dem Bohrhammer den obersten Kaminstein zu lösen. Nicht einfach. Zwar haben sie schnell die ersten Risse produziert, aber das Ding bewegt sich keinen Millimeter. Der oberste Stein hängt genau zwischen Erd- und Obergeschoss, was die Sache so schwer macht.

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Inzwischen ist auch Stawe dazu gekommen. Bernd und er machen der Deckenvertäfelung in meinem Zimmer den Garaus. Renne und ich tragen das Zeug nach draußen.

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Meine Zimmerdecke ist längst fertig, und sogar der Grill ist schon fast heiß, als Jeff immernoch mit dem Kaminstein kämpft. Links ziehen, rechts drücken, hier nochmal nachbohren, dort ordentlich gegen hämmern, irgendwie muss sich dieses Ding doch lösen…

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Viele kleine Schritte sind nötig, und es erinnert ein bisschen an eine Weißheitszahn-OP, bis der Übeltäter sich endlich löst und vorsichtig abgetragen werden kann. Gut gemacht, Jeff!

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Jetzt werfe ich endlich einen Haufen Belohnungswürste auf den Grill.
Die restlichen neun Kaminsteine brauchen nicht länger als die Bratwurst. Unsere Küche ist endlich frei!

Nach Wurst und Bier geht es noch eine Stunde lang weiter. Renne und Heavy machen sich weiter über den Boden im Obergeschoss her: Fliesen im Bad müssen raus, ein paar restliche Latten in Heavys Zimmer sowie der Estrich im Flur. Der Eine bohrt, der Andere sammelt Stein- und Fliesenbrocken zusammen, zusammen werden die Kübel aus dem 1. Stock zum Container geschleppt.

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Bernd, Stawe und ich haben uns zwischenzeitlich den Küchenboden vorgenommen.
Mit Hammer und Meißel kommen wir nicht schnell genug voran. Deshalb ist Bernd begeistert, als er den Jungs oben den großen Bohrhammer für ein paar Minuten mopsen kann. Ein Wahnsinnsgerät, und mir ehrlich gesagt etwas unheimlich.

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Um halb neun ist Feierabend. Wir sind sehr zufrieden. Im Hof liegt kein unnützes Holz mehr rum, der Kamin ist weg, die Decke in meinem Zimmer liegt frei, und mit den Fußböden sind wir auch weit gekommen. Das verbleibende Stück Estrich im Obergeschoss ist nun Heavys Fleißarbeit der nächsten Tage.

Bernd, Jeff, Renne & Stawe: DANKE für eure Hilfe, ihr wart sehr produktiv, und es hat – trotz Dienstag – Spaß gemacht! ;-)
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15.03.2014 – Fußboden raus!

Heute geht es dem Fußboden im Obergeschoss und den Möbeln im Keller an den Kragen.
Oben müssen zunächst Teppich und Spanplatten in mühevoller Feinarbeit containergerecht voneinander getrennt werden, die darunter liegenden Dielen werden im Anschluss mit dem Brecheisen von den darunterliegenden Latten gelöst. Das ganze Zeug fliegt – nicht ohne laute Vorankündigung („VORSICHT!“) – aus den Fenstern zum Hof. Später werden Fliesen und Fliesenkleber vom Estrich runtergedengelt.


Wir erreichen jetzt ein Fußbodenniveau etwa 10cm unter dem ursprünglichen. :-)
René, Flo, Jörn und Philipp geben sich als kräftige Vorarbeiter die Hand, während Heavy fleißig Kübel für Kübel die Treppe runter schleift und zwischendurch auch noch mit mir und wechselnden Zuarbeitern den Hof von Holz befreit.
Währenddessen entfernen Wiebke und Sascha im Keller die hoffentlich letzten Überbleibsel der Vorbesitzer: Gerümpel wird in Säcke gepackt, anschließend werden ausgediente Kleinmöbel im Hof in ihre Einzelteile zerlegt und danach in den Container befördert. Wahnsinn, das 36m³-Ding ist immernoch nicht voll!

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Beim Entrümpeln zweier alter Koffer, die ebenfalls aus dem Keller stammen, finde ich ungefähr 10 alte Künstlerkalender aus den Jahren 1982 und folgende… Erschrocken ertappe ich mich dabei, wie ich darüber nachdenke, das ein oder andere Kalenderblatt mit kubistischen Motiven oder expressionistischem Gekleckse für irgendwelche Basteleien aufzubewahren. Vielleicht mache ich ja doch auch irgendwann mal so ein Scrapbook. Oder auch nicht.
Als ich meine Gedanken entlarvt und kurz darauf sichergestellt habe, dabei unentdeckt geblieben zu sein, setze ich wieder meine „alles-muss-weg“-Miene auf. Nicht auszudenken, wenn ICH jetzt auch noch schwach werde und zu jagen/sammeln anfange. Schwer genug, Heavy zu bremsen…

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Beim Grillen in der „Mittagspause“ verstehen sich alle Beteiligten bestens.

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Wir sind wieder ein ganzes Stück weiter gekommen.

DANKE an René, Flo, Jörn, Philipp, Wiebke, Sascha und auch an Timo, der uns zur rechten Zeit noch einen riesigen Bohrhammer vorbei gebracht hat. :-)

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15.02.2014 – Abriss die Zweite

Weil es ab jetzt schon richtig viel zu sehen gibt, werde ich heute nicht lang rumschwafeln. :-)

Um 10.00 Uhr sind Heavy und Torben schon an der Baustelle. Als ich um halb elf mit 20 Brötchen, Grillwurst und einer Schüssel Nudelsalat am Schauplatz ankomme, dauert es nicht lang, bis Timo mit dem 36m³-Höllen-Container vor der Tür steht.

Der Riesentrümmer...

Der Riesentrümmer…


Was auf dem Bild nach wenig Arbeit aussieht, ist das Ergebnis von einer knappen Stunde ambitioniertem Umschichten von Holzlatten im Hof, sowie vorsichtigem Um-die-Nägel-Rumgreifen und v.a. kontuierlich beladenem Auf-und-Ablaufen.

Später nehmen wir die normale Hausmülltonne dazu, um auch den Kleinkram geschickt in die große Metallkiste zu manövrieren. Bis der Hof leer geräumt ist, vergehen – man glaubt es kaum – 3 Stunden. Wer hätte gedacht, dass die Jungs letzte Woche SO viel Holz aus dem 1. Stock gekratzt haben. Daneben sehen die 5 Glaswolle-Säcke nahezu lächerlich aus. (Immerhin lächerlich genug, um sieben Leuten die Atemwege zu zerkratzen…)

Die SPOILER-Jungs nehmen das Obergeschoss in Angriff. Der Kamin muss dran glauben, und auch die ersten Wände fallen…

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Timo und Icky

Währenddessen bringt Torben Licht in unser Küchenkabuff – die Vorderseite der merkwürdigen „Holzkiste“ muss dran glauben, und mit ihr auch der Küchenheizkörper.

ich steh‘ halt doof rum, weil… einer muss ja die Fotos machen!

Danach gibt es erstmal eine zünftige Brot- äh… Wurstzeit.

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Icky, Timo, Marc, Henning und Torben

In Ermangelung ausreichender Transportbehältnisse machen Heavy und ich uns auf den Weg zum Baumarkt und lassen uns erst von der Straßenführung (wegen Baustelle) und später von minderqualifizierten Baumarktmitarbeitern (wegen was-auch-immer) beim Schubkarren- und Blindstopfenkauf in die Irre leiten. Für diesen übersichtlichen Einkauf benötigen wir über eine Stunde. Es ist nicht zu ändern – wat mutt, dat mutt.

Danach kommt sie endlich zum Einsatz: Die S.C.H.U.T.T.R.U.T.S.C.H.E.!

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Und irgendwie hat sie was Nostalgisches, erinnert sie doch an die alte Wickrather Wasserrutsche. Ich denke kurz darüber nach, einen der Mörtelkübel nach Abschluss der Bauphase in einen Minipool zu verwandeln, entscheide mich dann aber doch aufgrund meiner Körperfülle dagegen.

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Schaut euch an, was heute oben alles passiert ist:

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Meine Schwimmbrille eignet sich perfekt als Staubschutz

Der harte (Bier-)Kern bleibt bis halb acht und hat offensichtlich Spaß:

Timo, Icky und Stulle

DANKE an Torben, Timo und die SPOILER-Band – ihr habt uns ein großes Stück voran gebracht! :-)

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08.02.2014 – Kickoff

8:00 Uhr. Der Wecker schellt. Ab 9.00 Uhr könnte endlich der Containermensch die dusseligen 2 Container bereit stellen, von denen derzeit alles abhängt. Nach der Ansage vom Freitagabend, dass der Container-LKW einem defekten Rolltor zum Opfer gefallen ist, ist das Timing nun „letzte Rille“. Die ersten Helfer kommen um 11.00 Uhr. Es wird mein Bruder sein. Ich bin seit Tagen sehr aufgeregt, ihm möglichst wenig Angriffsfläche für seine berüchtigten Schlaumeier- und Volllaberattacken zu bieten, daher MUSS!!! alles gut organisiert sein. Naja, das Obergeschoss ist noch nicht fertig entrümpelt, und ich harre nun der Dinge, die da kommen. Werkzeug und Schutzkleidung sind am Start. Ich beeile mich mit dem Frühstück und komme um 9.10 Uhr am Haus an. Der Containermensch ist schon da. Geil, endlich mal etwas, das klappt. Ne halbe Stunde später stehen die Dinger. Leider nicht perfekt, sodass mein Plan, den Bauschutt durchs Fenster über ’ne Schuttrutsche direkt in den Container befördern zu können, verworfen werden muss. Diese Rutsche ist auch noch nicht da. Börsch hat mir versprochen, die gleich zu holen… Wann ist denn gleich? Egal… denn et kütt wie et kütt, und et hätt no emmer joot jejange…Stattdessen sammle ich also die letzten Überreste aus Rommels Afrikakorps zusammen. Der Vorbesitzer macht nicht den Eindruck, ein zwielichtiger Nazi gewesen zu sein. Das Leben dieses Mannes erscheint aufrichtig und tugendhaft anlässlich der Spuren aufopfernder ehrenamtlicher Tätigkeiten, die Hitlers Euthanasie-Konzept fundamental widersprochen hätten und anlässlich des Fundes alter Feldbriefe an seine geliebte Frau in Sütterlin. Also die Briefe in Sütterlin, nicht die Frau… Schwarzweiß-Fotografien des Auszugs aus Dresden 1943, Wehrpässe, Dokumentationen des 2. Weltkriegs, wie ich sie von meinen Großeltern nicht kenne. Ich bin traurig, so Vieles entsorgen zu müssen. Wer mich kennt, weiß, dass mein Hang zum Messitum (nicht fußballerisch zu verstehen, obwohl… doch … auch…) nur sehr schwer zu kontrollieren ist. Ich zwinge mich also, alle Gegenstände von fehlender Geschichtsrelevanz zu entsorgen. Und habe ein schlechtes Gewissen, weil ich diesem Mann seine Geschichte raube, seine Vergangenheit zerstöre. Kaum eine Erinnerung an ihn wird übrig bleiben, wenn ich mit ihm (bzw. seinem Zimmer) fertig bin… Niemand ist hier, der nach Fotos fragt. Weil alle tot sind? Die Eltern müssten mittlerweile über 90 sein… Er sei bereits verblichen, heißt es, sie im Pflegeheim, der älteste Sohn bereits vor Jahren verstorben, die Töchter in Betreuung ohne Nachkommen… Vereint schienen sie glücklich gewesen zu sein. Egal ob im Skiurlaub, am Meer, auf Familienfeiern – das tröstet mich!Nun muss ich mich beeilen, es ist schon 10:30 Uhr und ich möchte zumindest die Fotoalben nochmal durchblättern bevor alles in den Mischmüll-Container wandert. Ich weiß jetzt wenigstens, wie die Familie aussah, als sie noch zu fünft war. Ich werde mich erinnern. Versprochen!

Brüderchen und Marco sind pünktlich um 11.00 Uhr am Start – gut gelaunt. Meine konzeptionelle Übersicht erfreut die Beiden, ebenso wie die Vielfalt an nützlichem Werkzeug und Schutzausrüstung. Dann präsentiere ich aufgeregt alle Stockwerke und Außenbereiche gleichzeitig, erörtere Konzepte zu Essbereich, Sat-Anlage und Proberaum, vergleiche die Länge und Dicke meines Brecheisens mit dem von Marco. 12.00 Uhr, erst kommt Bernd, dann betreten Patrick und Börsch die Abrissbühne. Mit Schuttrutsche auf’m Hänger.
Schuttrutsche runter – Caritas Kleiderspenden (30 Säcke!) drauf und ab ins Haus, um das erste Obergeschoss zu zerhacken. Ich merke schnell, dass ich mich im Weg befinde. Und zwar überall. Also besinne ich mich auf das, was ich gut kann. Müll wegräumen, damit niemand stolpert oder sich verletzt. Die Jungs produzieren mehr Altmineralwolle als ich allein bewältigen kann. Panisch, aber effizient werden die Riesenmineralwollea-Abfallsäcke mit eng gerollten Mineralwolle-Abfallwürsten vollgestopft. Holzpanelen fliegen erst durchs 1. OG und über den den Balkon auf die Terasse. Welche Türzargen müssen raus? Welche nicht? Zu spät, dann eben alle… Neiiiiin, nicht den Metallschrott unter dem Holzberg beerdigen… ab nach unten, Holz und Metall trennen, Schwitzen, Frieren, action…

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Als wir gegen 16.00 Uhr so langsam fertig werden, sind wir platt (also Börsch und ich). Ihre Caritas-Tour hat sich als Flopp erwiesen, weil sie fünf Minuten nach Feierabend erschien, was verschlossene Türen zur Folge hatte. 30 Säcke prall gefüllt mit hochwertiger Seniorenkleidung landeten unter Tränen auf der Müllkippe. Schade! Der Rest der Veranstaltung kann nur als gelungen bezeichnet werden. Das gesamte Deckenmaterial inklusive Dämmung konnte ohne Kollateralschäden entfernt werden. Den toten Schornstein oder irgendwelche Wände haben wir heute nicht geschafft. Aber das macht nix. Nächsten Samstag kommen die Spoiler-Jungs. Es werden Steine gekloppt, da geht’s bestimmt auch lustig ab…
Hoffentlich benimmt sich der Icky… :-)
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24.01.2014 – Wir basteln ein Bautagebuch

Ob wir es wirklich schaffen, neben der ohnehin nervenaufreibenden Umbauphase regelmäßige Updates zu liefern, werden wir sehen.
Zumindest wird es das ein oder andere Bildchen von unserem neuen Reich hierher schaffen.

Das passende Schlüsselbrett haben wir jedenfalls schon dank Torben und Melle!

Schaut doch mal bei Manufakturbo vorbei, dort gibt’s jede Menge Handbedrucktes!



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