Silvesterfragen

„Was machen wir an Silvester?“ Same procedure as every year. Während Butler James auch nach der dreitausendsten Schleife über die Mattscheibe, um den Katzenschädel herum noch keine Ermüdungserscheinungen zeigt, bin ich es leid. „Dinner For One“ und der Silvesterpunsch bei Tetzlaffs sind tatsächlich die einzigen Dinge, die ich mir alljährlich geben kann. Nicht aber die Frage, was man zu tun gedenkt. Im Grunde genommen ist diese Frage semantischer Nonsens, denn eigentlich sollte sie lauten: „Wo und mit wem essen wir?“ Wahlweise ergänzt um das dritte „W“, nämlich „was“ gegessen wird. Fondue, Raclette, kaltes Buffet? Ich habe schon einmal darüber nachgedacht, kleine Kärtchen zum Ankreuzen zu entwerfen. Wenigstens sind Heavy und ich uns darüber einig, dass wir kein Geld für Böllerei ausgeben wollen. Die Frage um die Gestaltung des Jahreswechsels ist so schon kompliziert genug. Vor allem, wenn sie zwischen Mann und Frau in Loriot-Manier diskutiert wird.
Ungefähr so:

Im Wohnwagen sieht es so ähnlich aus.
Quelle

„Was möchtest du Silvester machen?“
„Nichts.“
„Nichts?“
„Ja, nichts.“
„Mann kann aber nicht ’nichts‘ machen.“
„Wieso nicht?“
„Man macht immer irgendwas. Außerdem ist Silvester.“
„Ja, eben.“
„Was machen wir denn jetzt?“
„Ich habe dir doch schon gesagt, was ich machen möchte.“
„Nein, du hast gesagt, du möchtest ’nichts‘ machen.“
„Ja.“
„Ich möchte nicht ’nichts‘ machen.“
„Was möchtest du denn?“
„Was essen.“
„Gut, dann essen wir was.“
„Und was?“
„Das ist doch eine Fangfrage. Was möchtest DU denn essen?“
„Ich weiß nicht.“
„Ich auch nicht.“

Einige sinnlose Gesprächsminuten später befinden wir uns in einer Diskussion, in der ich Heavy vorwerfe, dass er den besonderen Moment – mit mir – nicht genießen kann. Und er antwortet, dass das nicht stimmt, weil es ihm besonders genug ist, mit mir zum Jahreswechsel am Meer zu sein. Das ist es, zweifelsohne. Und dennoch. Als Frau möchte ich eine Kerze, oder eine liebevoll drapierte Camper-Vesper, eine feierliche Silvester-Frikandel, am besten mit Schleifchen drum, oder sonst irgendwas, das mir das Gefühl gibt, für meinen Partner der einzigartigste Mensch in diesem Universum zu sein. Anspruchsdenken, ick hör‘ dir trapsen! Ist so ein Frauending, kenne ich von meinen Mädels zu Genüge. Und wenn sie mir Ähnliches erzählen, könnte ich ausrasten, weil es sich so absurd anhört. Hat er nicht gesagt, dass es für ihn „besonders“ genug ist, …?
Dieses Mal ertappe ich mich dabei, dass der unbefriedigende Verlauf des Gesprächs meine eigene Schuld ist. Was ich wollte: Bedürfnisse abgleichen und dabei irgendwas „Nettes“ hören. Hätte ich dabei meine eigenen Wünsche sofort formuliert, hätte das sogar klappen können. Problematisch ist nur, den Wunsch nach dem „Besonderen“ in einer Sprache zu formulieren, die beim Mann richtig ankommt. Speziell bei Heavy gehen schnell die Alarmglocken an, weil er vermutet, dass ich in der Preisklasse unterhalb eines 5-Gänge-Menüs nicht zufriedenzustellen bin. Woher er diese These nimmt, ist mir völlig schleierhaft. Ich war noch nie der Serviettentyp und benehme mich etwa in teuren Fischrestaurants grundsätzlich daneben. Das Eine ist, dass ich so gut wie gar nichts esse, das aus dem Meer kommt (außer viereckigem Fisch), das Andere, dass mein zweiter Vorname „Glas- und Kerzenumschubser“ lautet. Und mehr Besteck als Messer, Gabel und Löffel kann ich sowieso nicht auseinander halten. Von Entrecôte weiß ich nur, wie man es schreibt, aber nichts macht mich so glücklich wie ein gut geklopftes Schnitzel im Restaurant. Wirklich anspruchsvolle Gerichte koche ich lieber selbst, denn da weiß ich wenigstens, wofür ich mein Geld ausgegeben habe.
Nächstes Jahr Silvester vielleicht einfach nur ein Schnitzel einplanen…

Kommt gut ins neue Jahr!