Schutt vs. Raum und Zeit

Langweilig wird es wirklich nicht. Das habe ich mittlerweile verstanden. So war der heutige Tag eigentlich schon wieder filmreif, und ich frage mich manchmal, ob andere Menschen auch so viel Skurilles erleben? Ich finde keine Antwort darauf. Vielleicht nutzt ja irgendwer mal die praktische Kommentarfunktion, ansonsten bleibt diese Frage vorerst unbeantwortet.

Um viertel nach sieben wache ich auf und genieße das Gefühl, eins mit mir und meinem Biorhythmus zu sein. Es ist echt nicht zu toppen – dieser Unterschied, von alleine, ohne Wecker aufzuwachen. Es kann sogar viertel nach sechs sein, und ich bin fitter, als wenn dieses dumme Ding mich an meinen Arbeitsplatz zitiert. Also Kaffee und Morgenmagazin zum Aufwachen, herrlich. Um halb acht klingelt Heavys Handy, und natürlich befindet jener sich noch in der Tiefschlafphase. Er wacht nicht mal auf, als ich über seine Hausschuhe an sein Bett stolpere, um ihm komatöse Gespräche zu ersparen, deren Inhalt er eh nicht länger als 2 Minuten behalten würde. Es ist Timo, der irgendein Dingenswerkzeug von der Baustelle „dringend und sofort“ braucht, das er uns netterweise ausgeliehen hat. Ich hab schon wieder vergessen, was es war. Man möge mir verzeihen – trotz der Abwesenheit von Stöckelschuh und French Nails, einigermaßen ausgeprägtem technischen und (in der Theorie) handwerklich orientierten Verstandes bin und bleibe ich dennoch mit Fleisch und Blut eine Frau. Timo und das Baustellendings. SOFORT. Sofort bedeutet in dem Fall vor zehn Minuten, denn Timo ist leider nicht mobil. Ich muss Heavy also wecken. Zum Glück ist er aufnahmefähig und nimmt das Telefon ohne Widerworte entgegen, und ich wende mich wieder meinem Kaffee zu. Weil er mir gestern vorsorglich für heute „frei gegeben“ hat, ist es keine Frage mehr, dass er sich auf den Weg macht. Ich höre noch ein bisschen Gewusel und Geknister, bis ihm auffällt, dass die Sache einen Haken hat: Den Hausschlüssel hat er gestern Jeff in die Hand gedrückt, der allerdings erst um 9 Uhr auf der Baustelle sein wird. Den zweiten haben die Glaser. Also ruft er in der Firma an und bittet darum, sich seinen eigenen Schlüssel auszuleihen, damit er ins Haus kann. Er verspricht, um halb neun wieder zurück zu sein, um den Handwerkern aufzuschließen und ihre Arbeit zu ermöglichen. Das geht in die Hose. Ich bin mir sicher. Mein Blick auf die Uhr und ein bisschen Adam Riese erhärten den Verdacht. Es ist viertel vor acht. Heavy ist noch nicht angezogen, zum Glaser fährt er eine Viertelstunde, von da aus zu Timo braucht er zwanzig Minuten, zurück zum Haus wieder zwanzig. Macht insgesamt 55 Minuten. Wären wir bei zwanzig vor neun. Heavysche Verpeilungsabweichung eingerechnet (Kacken, noch-’n-Kaffee-für-’n-Weg-kochen, Schlüssel und Handy suchen, zwei Stockwerke runter laufen, zwei Stockwerke wieder hoch, Portemonnaie suchen, runter, Auto suchen, zwei SMS schreiben) sind das mindestens 75 Minuten. Neun Uhr. Frühestens. „Ich bring auf dem Rückweg noch Brötchen mit.“ Ich korrigiere: Viertel nach neun. Dann ist er auch schon weg.

Um viertel vor neun klingelt das Telefon. Eine mir unbekannte Neusser Nummer. Die Glaserei. Ich werde gefragt, ob mein „Mann“ denn schon losgefahren sei, die Handwerker stünden seit einer halben Stunde vor verschlossener Tür. Na prima, nun sind sie auch noch eine Viertelstunde zu früh. Ich gebe mich nichtsahnend und überzeugt, dass „mein Mann“ sich selbstverständlich längst auf dem Weg befindet und vermutlich jede Sekunde eintrifft. Freundlich gebe ich seine neue Handynummer weiter – als wir den Auftrag vergeben haben, hatten wir noch keinen Partnervertrag, und die Dame soll das Gefühl haben, dass Verbindlichkeit bei uns ganz groß geschrieben wird. Grundsätzlich sind wir verbindlich… allerdings innerhalb der Möglichkeiten von Heavys Zeit-und-Raum-Kontinuum. Wird schon schief gehen, denke ich mir. Dabei muss ich meinen Zwang, alles zu regeln, auch nur ein ganz kleines Bisschen unterdrücken. Nein, diesmal rufe ich ihn nicht an!
Drei Minuten später erhalte ich eine SMS, in der er mich nach meinen Frühstückswünschen erkundigt, er besorge noch Aufschnitt.

Um viertel vor zehn geht das Türschloss. Und das Telefon. Patrick schafft es nicht, wie vereinbart, um zehn, frühestens halb elf. Ich muss lachen. „Kein Problem, wir frühstücken jetzt sowieso erst, hier läuft wieder alles chaotisch.“ Am anderen Ende der Leitung höre ich einen erleichterten Seufzer. Wie leicht die zwei es sich doch machen könnten, wenn sie ihre Verabredungen einfach per se immer eine halbe Stunde hinter die Zeit schieben, die sie für realistisch halten. Offenbar gibt es doch ein paar Gefährten auf Heavys Zeitachse.

Beim Frühstück gibt Heavy alles, um seine guten Partnerqualitäten noch ein bisschen mehr in den Vordergrund zu stellen.

„Ich hab‘ mir überlegt, du warst gestern so fertig nach dem Ikea-Einkauf, du bleibst heute zuhause und ruhst dich aus.“
„Aber…“
Weiter komme ich vorerst nicht.
„Kein Aber.“
„Doch.“
„Nein. Du hast dir deinen Urlaub verdient. Leg dich einfach auf die Couch und guck Serien oder lies‘ was.“
Mann, ich brauch doch keine Beschäftigungstherapie. Ich kann mich gut alleine beschäftigen. Außerdem scheint draußen die Sonne, und in der Wohnung ist es so dunkel. Ich will raus. Und, ja, mann, ich gebe zu, ich will nichts verpassen. Den Weg zur Müllkippe in Mönchengladbach, wo wir den Bauschutt kostenlos abgeben können, kenne ich im Schlaf. Ich will gucken, wie weit Jeff ist, und ich möchte dabei sein, wenn wir den Apothekerschrank und die Badezimmer-Keramik abholen. Ist das gerade mein Kontrollzwang? Ich glaube: Ja! Aber ich glaube auch, dass da mittlerweile vielleicht eine abgeschwächte Form von Leidenschaft entstanden ist, weil ich es nicht mehr nur furchtbar finde, ein eigenes Umbau-Projekt zu haben. Vielleicht ist das Jugendtrauma ja tatsächlich mittlerweile einem eigenen Interesse gewichen, die Dinge in die Hand zu nehmen und mich mit Materialfragen oder Problemstellungen auseinander zu setzen, welche alle mit Dreck, Staub, Blut, Schweiß und Tränen zu tun haben. So richtig dreckig männlich. Vielleicht. Vor zwei Wochen hat meine Mutter mich Heavy gegenüber noch stolz als „echtes Müllkind“ angepriesen. Sie wollte damit ausdrücken, dass er meiner Einschätzung, was die Befüllung von Schuttcontainern angeht, ruhig mehr vertrauen darf. Als wirkliches Kompliment habe ich das nicht verstanden, aber irgendwie war es das ja. Mir ist tatsächlich aufgefallen, dass meine Eltern mich als sowas wie „bauerfahren“ einstufen. Und das ist wirklich neu. So richtig gewöhnt war ich nur an die Rolle der baustellenüberdrüssigen Tochter. Nicht zuletzt, weil wir innerhalb meines Mietverhältnisses in der elterlichen Einliegerwohnung ein stillschweigendes Einvernehmen gelebt haben. Ich beschwerte mich nicht über objektiv betrachtet nicht tolerierbare Zustände in meiner Wohnung, dafür lebten sie mit einer eigentlich zu knapp bemessenen Miete. An sich sind wir damit gut gefahren. Aber meiner Ex-Wohnung steht es sehr gut, dass ihr jetzt endlich zeitgemäße Heizkörper und ein, so glaube ich wenigstens, bald sehr schnuckeliges Badezimmer geschenkt wird. Nun ja. Wir haben alle daraus gelernt, und es hat uns nicht geschadet. Um den Faden wieder aufzunehmen: Ich habe viel gelernt auf dem Bau. Angefangen mit den Gepflogenheiten im Gladbacher Luisental, weitergeführt beim Thema Werkzeug- und Materialkunde (auch wenn ich mich da manchmal gerne doof stelle, siehe oben) und… ach, ist doch auch egal. Es ist Zeit, mit der Wahrheit rauszurücken: „Ich wäre einfach gerne dabei!“ Jetzt ist es raus. „Okay, dann fahr mit. Wir können deine Hilfe brauchen.“ Ich muss dazu sagen: Die Plackerei Samstag mit der Schuttschaufelei hat mich weniger angestrengt als der gestrige Einkauf bei Ikea. Und ich schwöre: Das ist die Wahrheit.

Zuende gefrühstückt. Ich belege uns noch fünf Brötchen für die Fahrt. Als ich meinen Rucksack damit bepacke, entdecke ich eine weitere Bäckertüte mit zwei Amerikanern drin. Seltsam, sowas isst Heavy sonst gar nicht. Das muss er für Patrick besorgt haben. Manchmal ist er wirklich rührend. Bei dem vorgenommenen Tagespensum kann es jedenfalls nicht schaden, die Zahl der Tankstellen- und Mc-Donald’s-Aufenthalte zu minimieren. Patrick und ich sind uns in einem sehr ähnlich: Wenn wir Hunger haben, muss SOFORT was her. Warum das bei Patrick so ist, weiß ich nicht. Bei mir handelt es sich dabei um eine meiner unzähligen Schrulligkeiten. Wer sich mit dem Thema Hochsensibilität auskennt oder schonmal befasst hat, weiß, dass wir HSPler körperliche Missverhältnisse nicht gut und v.a. nicht lange aushalten können. Ich werde nicht mal zur Diva, mir geht es einfach richtig schlecht, und ich kann nicht mehr klar denken. Es ist, als würde jemand die Leitung zum Gehirn kappen, mir wird schwindelig und einfach nur wäääh…

Ich muss mich unbedingt kürzer fassen.

Im Haus basteln Jeff und Manni am Dachstuhl und dem Ständerwerk für den Trockenbau herum, unten sind insgesamt vier Glaser mit dem Panoramafenster im Wohnzimmer beschäftigt. Es macht wenig Sinn, die Abläufe hier zu stören, also machen Patrick, Heavy und ich uns schnell ans Ankuppeln des bauschuttbeladenen Hängers. Heavy rollt mit den Augen, als ich anmerke, dass ich die Ladung von hinten beobachten werde, wenn er die Einfahrt verlässt, bevor wir uns auf den Weg machen. Ich höre noch die Stimme meiner Mutter: „Wenn der Hänger X-Beine macht, dann isser zu voll.“ Patrick steht neben mir und beobachtet konzentriert das Gespann. Dass die Reifen sich ein bisschen wölben, lässt sich mit etwas mehr Druck auf der Rille leicht beheben. Je enger Heavy allerdings beim Abbiegen aus der Einfahrt einschlägt, desto x-beiniger wird der Kamerad. Das geht gar nicht! Wie jetzt Heavy das beibringen, ohne dass er es für eine der üblichen Spitzen meines neurosendurchtränkten Charakters hält? Ich brauche weiter gar nichts tun, Patrick himself wirkt auf meinen Liebsten paranoid genug, um der unbekümmerten Weiterfahrt Einhalt zu gebieten. Am besten gebe ich jetzt außer einem möglichst ruhigen „so-können-wir-nicht-fahren“-Kommentar nichts mehr von mir. Stattdessen wird es keine zehn Sekunden dauern, und Heavy erwartet im Gegenzug Lösungsansätze von mir. „Wie ist die Alternative?? Das Zeug MUSS weg.“ Dramatik tut sich auf. „Mindestens ein Drittel abladen.“ Auch das sage ich bemüht ruhig. „Es hilft ja nichts, Sicherheit geht vor.“ Heavy ist richtig sauer und sucht händeringend nach einem Schuldigen, dem er diese Unverschämtheit unterjubeln kann. Außer Patrick und mir ist leider niemand da. Und dass ich nicht dabei war, als die Entscheidung fiel, wie voll der Anhänger beladen werden kann, kann er nicht bestreiten. Ich vermute mal, dass er insgeheim für den Moment meinen Vater als Schuldigen auserkoren hat, weil er so ein instabiles Ding da hin gestellt hat. Dankenswerterweise behält er dies allerdings für sich. Weil er sich selbst gerade klar macht, dass er froh sein kann, dass der Hänger überhaupt da ist, weil er sonst nämlich ganz andere logistische Probleme schon nicht zu lösen gewusst hätte. Er feuert seine Handschuhe irgendwohin, jene waren außerdem eh eine Mogelpackung: „Und wieso habe ich überhaupt zwei LINKE Handschuhe???“ Das weiß keiner so genau. Dann stürzt er ins Haus, um die Glaser zu fragen, ob sie „kurzfristig“ einen zweiten Hänger organisieren können. Wir sind mehr als überrascht, als die Antwort kommt: „Einen zweiten Hänger nicht, aber ihr könnt unseren Transit nehmen.“ Wow. „Aber der Dreck?? Und was sagt der Chef dazu?“ – „Dreckig ist das Ding eh, und Chef ist im Urlaub. Passt schon. Ihr habt Not, wir helfen euch.“ Doppel-wow. Ich bin sprachlos. Und meine Neuröschen springen im Dreieck: Und wenn was passiert? Welche Versicherung zahlt? Und wenn Chef das trotzdem merkt? Wir können jetzt nicht noch zusätzlichen Ärger gebrauchen. Die Jungs wirken so ruhig und alle vier sicher in ihrer Entscheidung, dass weiteres Zweifeln nicht angemessen ist. Darin bestärkt mich Heavy auch nochmal: „Schalte jetzt einfach mal deinen Kopf aus und nimm‘ die Hilfe an, was Besseres kann uns jetzt gar nicht passieren.“ Recht hat er. Der Transit ist schnell umgeparkt, mit der Ladefläche zum Hänger gerichtet. Große Filzdecken werden ausgebreitet. Patrick, Heavy und ich verteilen die größten Brocken in den Bus. Die machen am wenigsten Dreck und laufen auch keine Gefahr, sich quer durch den Laderaum zu zerstreuen. Das Ganze geht erstaunlich schnell.

patrick_transit

Danach überlegen wir, ob wir nun tatsächlich die Gladbacher Kippe anfahren sollen mit einem Neusser Fahrzeug. (Mein Auto trägt nach wie vor stolz das alte „MG“.) Wer weiß, ob das da ohne Probleme durchgeht. Ich googele nach der Telefonnummer, um dies im Vorfeld abzuklären und stoße dabei – zum Glück – auf die Öffnungszeiten. Heute ist Ruhetag. Oh mann. Was für ein Wahnsinn, wären wir mit X-Beinen völlig umsonst 30 km in meine alte Heimat gegurkt, um dann vermutlich mit Achsbruch mitten auf der Autobahn vor einem riesigen Schutthaufen zu stehen. Im schlimmsten Fall einen Auffahrunfall provozierend. Ziehen wir also das Gute aus der Situation. Ohne unsere hemmungslose Überladungsfreude wäre ich niemals auf die Idee gekommen, nach den Modalitäten der Gladbacher Abfallentsorgung zu suchen. Es gibt also tatsächlich noch etwas, das ich bisher noch nicht über die olle Kippe wusste. Die Frage stellt sich nun jedenfalls nicht mehr, wir fahren nach Grefrath. Patrick und ich vorne mit Papas Hänger, zwei abenteuerlustige Glaser mit Heavy im Schlepptau im Transit hinten. Mit dem Auftrag, unsere Achse im Auge zu behalten und notfalls anzurufen. Der Anruf lässt keinen Kilometer auf sich warten, zum Glück harmlos: „Mit der Achse ist alles okay. Wir fahren Schleichwege, die Jungs wollen nicht an der Firma vorbei fahren…“ Patrick und ich brechen in schallendes Gelächter aus. Das gibt fast Stoff für einen Film her… Inkognito auf dem Weg zur Müllentsorgung. Andere machen sowas, weil sie illegalen Giftmüll transportieren. Wir karren harmlosen Bimsstein und eine abgenudelte Kloschüssel durch die Gegend. Herrlich. Patrick gibt zu bedenken, dass wir uns mit Müllkippenaufträgen wohl besser nicht mehr an ihn wenden sollten. Scheinbar bringe er uns kein Glück. Bei unserer letzten gemeinsamen Fahrt hat die Caritas uns die Tür vor der Nase zugeknallt, und wir haben wir einen blauen Sack voller Kleiderbügel mitten auf der Autobahn verloren. Und wir haben uns genauso illegal gefühlt, aber auch mindestens genau so viel Spaß dabei gehabt. Im Verbotenen liegt halt irgendwie ein besonderer Reiz. An der Deponie angekommen dauert es eine Weile, bis wir den richtigen „letzten Haufen da hinten“ gefunden haben. Grefrath ist in dieser Hinsicht aber auch wirklich sehenswert. Hier ein paar Eindrücke:

kippe der letzte haufen

Die Glaser finden uns anscheinend entweder sympathisch oder aber niedlich-hilflos. Jedenfalls sind sie von ihrer eigentlichen Arbeit lange nicht zu müde, um uns mit voller Tatkraft beim Schaufeln zu unterstützen.

fleißige bienen

In weniger als zehn Minuten sind Bims- und Klostein auf dem Haufen entsorgt, und alle sind zufrieden. Für den Geldbeutel allerdings ist Grefrath keine gute Empfehlung: Kann man in Mönchengladbach den Bauschutt nach wie vor umsonst entsorgen, zahlen wir hier für 1,1 Tonnen 33 EUR. Heute scheißegal. Wir sind einfach nur froh, dass wir inklusive Hänger sicher und unbeschädigt angekommen sind. Und wir stellen fest, dass wir mit voller Ladung und nur zu dritt in Mönchengladbach auch nicht schneller gewesen wären. Schon gar nicht am Ruhetag. Im Nachhinein also doch alles nicht so schlimm.

Für Patrick und mich ist jetzt dringend Zeit für Brötchen. Heavy schickt derweil Patrick, der immernoch am Steuer sitzt, hier lang und dort lang zu Reuters Badshop, ohne zu wissen, in welche Stadt wir überhaupt fahren müssen. Und auch ohne zu wissen, ob wir unsere Lieferung heute abholen können. Für die Recherche nach der Telefonnummer, um selbiges abzuklären, benötigt er fast so lang wie wir dorthin fahren, denn die Adresse habe ich zwischenzeitlich im Internet ausfindig machen und ins Navi eingeben können. Vom Laden bin ich relativ enttäuscht. Das ausgestellte Zeug ist schrecklich exquisit, und in die Mondpreise wurde vermutlich auch die vom Kunden verbrauchte Atemluft einkalkuliert.

schminkspiegel

Da steht doch tatsächlich eine Badewanne für 22.000 EUR! Und das noch nichtmal mit Whirlpool. Patrick, der alte Fuchs, kauft eine Klobürste… für 29 EUR. Ich gebe zu, meine WG-Zeiten mit Klobürsten von Kodi für 1 EUR/Stück sind auch langsam vorbei, aber ich bin ehrlich gesagt ein bisschen sprachlos, was so ein blödes Ding, das man aus hygienischen Gründen wohl regelmäßig austauschen sollte, kosten kann. Und bei Reuter sind wir da preislich sicherlich noch nicht im Hochpreis-Segment. (Es gibt tatsächlich eine Badezimmerlinie von Joop!) Ich muss ein wenig entschärfen: Das Online-Angebot der Firma und die Preise für Interessen normaler Erdenbürger sind wirklich okay. Klar, denn sonst hätten wir dort nicht bestellt. Patrick hat die PIN seiner EC-Karte vergessen und zahlt schließlich in bar. Diesen Zwischenfall auch hinter uns lassend, können wir nun endlich zum Logistikcenter fahren. Denn DORT ist unsere Bestellung, nicht im Badshop, wie ich irgendwie erst verstehe, als wir wieder auf dem Weg zum Auto sind. Der Ablauf am Lager ist relativ unspektakulär, und auch danach gibt es außer ein bisschen Gezicke zwischen den beiden Jungs und Heavy und mir nicht wirklich viel zu berichten. An unserem Haus angekommen, hilft Patrick noch beim Verladen der Keramik in die Garage und macht sich dann wieder auf den Heimweg.

Jeff und Manni sind wieder ein ganzes Stück weiter gekommen. Chris, unser Holzlieferant für den Fußboden und Andreas, unser Sanitärmann, trudeln ein, um die Nivellierung vom Fußboden zu besprechen. Jeff und ich schaffen es, Heavy zur völligen Entgeisterung zu treiben, als wir ihm verkünden, dass wir Schlafzimmer und Bad offen ineinander übergehend gestalten wollen. Er macht sich Sorgen um die Behaglichkeit unserer potenziellen Gäste, die sich beim Duschen durch Heavys Schnarchen bedrängt fühlen könnten. Auch wenn die Vorstellung, den Raum offen zu gestalten, tatsächlich reizvoll ist, handelt es sich hier um reine Provokation, die ihr Ziel offensichtlich erreicht hat. Heavy ist richtiggehend entrüstet ob solch abstruser Ideen. Andreas meint dazu nur trocken: „Geile Idee. Leben müsst IHR allerdings danach damit.“ Die Dusche wird nach neuestem Stand nun doch noch woanders hin versetzt, aber vorerst war es das mit Planänderungen. Weniger ist eben doch mehr.

Zuhause gibt es Pommes mit Frikandel, in der hauseigenen Frituur zubereitet. Und danach… klar… DERBY.

Vor lauter Extremblogging habe ich gar nichts mitbekommen, stelle jetzt nur fest, dass Heavy ein klein bisschen enttäuscht ist. (Dortmund : Schalke / 0:0.)

Morgen wieder Schuttschaufeln, und danach holen wir endlich den Apothekerschrank!

DANKE, Patrick, für deine Hilfe. Und natürlich auch danke an die anonymen Schuttverschlepper. Ohne euch wären wir wirklich mehr als aufgeschmissen gewesen!!

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