Auf Wiedersehen Bayern!

Um viertel vor elf weckt uns die Kuckucksuhr. Danach klopft es vorsichtig an unserer Türe – Christoph hatte Sorge, dass wir uns ohne ein Wort aus dem Staub gemacht haben könnten. Stattdessen haben wir in diesem großen Bett einfach nur sehr gut geschlafen…

Als vorbildlicher Gastgeber versorgt er uns mit Brötchen und frisch gekochten Eiern, und als inzwischen waschechter Münchener hat er auch nicht versäumt, „Obazda“ für uns zu besorgen. Wir lassen uns Zeit und frühstücken ausgiebig. Schließlich ist es danach schon wieder Zeit für einen Abschied – wir müssen zurück nach Waging und unseren Campingplatz räumen, Christoph muss an die Arbeit…

Ein weiteres Mal geht’s zurück über die A8, und als wir am Gut Horn ankommen, feiert der Campinplatzinhaber natürlich mal wieder seine wohlverdiente Siesta – die Schranken sind zu. Also Auto am Feldrand parken und zu Fuß zum Camper. Vorher klemme ich mir praktischerweise noch schnell meinen Finger in der Autotüre ein, verliere zum Glück aber nur einen halben Tropfen Blut, sodass Heavy der nächste Panikausbruch gerade noch so erspart bleibt. Ein fachgerechter Verband, um Berührungsschmerzen beim Abbauen zu vermeiden, reicht aus, und es geht mir gleich wieder besser.

Um 17 Uhr sind wir mit Wolle und Ruth in Burghausen zum Grillen verabredet. Weil wir den Abbau schon gut vorbereitet haben, ist noch genug Zeit für einen letzten Kaffee auf der Terrasse am Ufer des Sees. Dort besprechen wir unsere nächste Planänderung bezüglich der Heimfahrt. Ursprünglich war geplant, in Burghausen zu übernachten und von da aus gegen 7 Uhr früh in Richtung Heimat zu starten. Bei genauerem Überdenken gefällt uns die Aussicht auf übermäßig frühes Aufstehen und das Durcheinanderbringen eines Familienhaushalts nicht mehr. Wolle und Ruth haben mit ihren drei Kindern alle Hände voll zu tun, und Wolle muss morgens früh zur Arbeit, wir möchten der Familie nicht im Weg sein. Außerdem habe ich die Idee, dass eine Nachtfahrt uns sämtliche Staus ersparen könnte, die Kühlerproblematik noch dazu… ja, es scheint wirklich nicht schlecht zu sein, heute Abend nach dem Grillen ganz entspannt loszufahren und morgen in der Frühe in NRW anzukommen. Die neuralgischen Punkte Nürnberg, Frankfurt und Koblenz hatten uns bereits Beiden Sorgen gemacht… Immerhin haben wir schon von Zeegendorf nach Gunzenhausen, was nur 120km waren, über drei Stunden gebraucht.

Heavy ruft Ruth an und informiert sie über unseren neuesten Plan – sie ist einverstanden. Zurück auf dem Platz, bauen wir das Vorzelt ab, reinigen den Grill, verstauen Bierbank und Liegestühle, schließen den Gashahn, kappen die Stromverbindung und kuppeln den Hänger an. Heavy bezahlt die Platzmiete und freut sich, dass wir den halben heutigen Tag geschenkt bekommen. Wir fahren schnell noch auf einen kurzen Einkauf in der Bergader-Privatkäserei vorbei und decken uns mit Vorräten ein. Auf der Fahrt nach Burghausen stellen wir fest, dass der linke Blinker des Wohnwagens defekt ist. Als wir bei den Wolles ankommen, bietet der blonde Familienvater gleich an, nach einer Führung durchs Haus die Birne auszutauschen.

Das Holzhaus ist echt ein Traum, geschickt geschnitten, geschmackvoll eingerichtet und jede Menge Platz für die Bedürfnisse aller fünf Personen. (Genug Stauraum für Stöcker und Steiner gibt’s auch…) Als Wolle die Birne am Camper austauschen will, fällt auf, dass die Stromkabel durch sind. Die Ummantelung muss abgetragen, die Kabel neu angeschnitten und mit einer Lüsterklemme erneut verbunden werden. Wolle bietet an, sich nach dem Essen darum zu kümmern. In seinem Keller hat er jede Menge Werkzeug und Zubehör.

Ruth hat sich für uns richtig viel Mühe gegeben. Der Salat mit Thunfisch und Käse schmeckt super, außerdem hat sie Pilze gefüllt, Ofenkartoffeln und Zucchinispieße vorbereitet. Ich muss mein Urteil der letzten Tage revidieren: Ich hatte das Grillen satt. In erster Linie ist dies wohl darauf zurück zu führen, dass wir aus praktischen Gründen jedesmal dieselben Sachen gegrillt und vorbereitet haben. Hier schmeckt alles bestens, so gut, dass ich nach dem Essen einen Verdauungskaffee brauche… :-)

Nach dem Essen hat Wolle den drei Jungs versprochen, ein Feuer zu machen. Sie werden nicht müde, ihren Papa daran alle 5 Minuten zu erinnern – bis dieser sich schließlich erbarmt, und einen Haufen Stöcker in der Feuerschale anzündet. Theo, Willem und Johann stehen mit großen Augen vor dem Feuer und halten abwechselnd stolz ihre Stöcke in die Schale.

Danach wird’s Zeit für hohe Ingenieurskunst: Mit viel Geduld und bereits im Dunkeln repariert uns Wolle unser kaputtes Stromkabel. Willem und ich helfen ihm dabei, indem wir das Kabel mit Taschenlampen beleuchten.Hier ein kleines Reparaturvideo für meinen Papa („Elektrokurs mit Wolle und Heavy“):

Nach 20 Minuten und mehreren Gängen in den Keller (Werkzeug und Klemmen holen) ist es soweit: Unser Blinker funktioniert. Danke für deine Hilfe, Wolle! Um halb elf starten wir also in Burghausen unsere Nachtfahrt zurück in die Heimat.