Einkauf von zwei Wahnsinnigen Part I

Packen!
Heute stehen wir zeitig auf, machen ein schnelles Frühstück und legen um 9 Uhr los, sodass wir tatsächlich pünktlich um 11 fürs Stromablesen stramm stehen. Danach wird als letzter Akt noch die Bierbank eingeräumt und der Camper gesichert, um halb zwölf sind wir auf der Bahn. Glücklicherweise haben wir nur 139km vor uns.
Inzwischen sind wir ja geschulte alte Campinghasen, weshalb wir diesmal einkalkuliert hahben, dass überarbeitete Platzwärter ihre wohlverdiente Siesta brauchen. Routiniert kuppeln wir also den Wohnwagen auf dem Parkplatz gegenüber und nutzen die „vertane“ Zeit für unseren Einkauf. Kaffee, Eier und Zahnpasta müssen her. Außerdem hat Heavy bei seiner gestrigen Schwarzwurst-Grillung die gute Nudelzange geschrottet. Deshalb fordert er heute laut und vehement diskutierend ein „anständiges Grillbesteck“ ein. Dabei lässt er sich auch nicht von Hausfrauen aufhalten, die uns, Einkaufswagen-schiebend und ob der Hitze schwer atmend, vorwurfsvolle Blicke zuwerfen. Ich verkneife mir ein Augenrollen und bestätige ihn einfach. In der Hoffnung, dass er das ausgestellte Alubesteck einfach nimmt und weitergeht. Aber nicht Heavy… Es folgt ein Monolog über die Standardlänge, Oberflächenbeschaffenheit und Hitzeübertragung professionellen Geräts. Nein, dieses Grillbesteck darf es keinesfalls sein. Außerdem ist das bestimmt eh viel zu teuer, und DAS bei DEM Material!
Interessant ist die Frage nach dem richtigen Grillreinigungs-Instrument. Eine Stahlbürste ist leider nirgends aufzufinden. Und so geht es munter weiter: Topfreiniger, ob aus Stahl oder Schwamm, sind nicht perfekt auf Heavy zugeschnitten. Nach langer und reiflicher Überlegung kommt er zum Schluss, dass 1,99 EUR nicht zu viel investiert sind. Auch nicht, wenn es nur ein zweitklassiger stählerner Topfreiniger ist. Ob ihr’s glaubt oder nicht – ich freue mich im Supermarkt über jede Entscheidung, die getroffen wird.
Es ergeben sich ähnliche Diskussionen, als ich folgende Dinge kommentarlos in unseren Wagen plumpsen lassen will: Einen Korkenzieher (um die Versuchung zu unterbinden, benachbarte Dauercamper unterhalten zu müssen), Alu-Grillschalen (dito), einen Anzünder (damit ich dummes Ding mir nicht jedes Mal die Finger am Gasherd verbrenne), lange Streichhölzer (falls der Anzünder mal kaputt geht oder nicht auffindbar ist), scharfe Küchenmesser (weil das Ding im Wohnwagen um die Ecke schneidet)…
Heavy hat genau im Blick, welches Ding seinen Preis wert ist und verbringt anschließend fünf Minuten mit der Wahl der für uns passenden Küchenrolle. Er behauptet, er habe sie nicht gefunden, aber das glaube ich ihm nicht. Ich fand ihn vor dem Küchenrollen-Regal hockend mit zwei verschiedenen Packungen in der Hand.
An der Kasse grinse ich die Verkäuferin beschämt an. Ich habe gar nicht bemerkt, dass ich auch schon schrullig werde. Das fällt mir erst auf, als ich die zwei Anzünder wieder in Empfang nehme, von denen sie mir den Preis ermitteln sollte, damit ich vergleichen kann. Natürlich habe ich mich für den preisgünstigeren entschieden.
Als wir den Einkaufswagen in Richtung Auto schieben, kehrt Heavy nochmal um: Er hat sich nun doch entschieden, das Grillbesteck aus der Auslage zu kaufen. Ach ja, und hinterher freut er sich, dass dieses nur 1 EUR gekostet hat. :-)