Einkauf von zwei Wahnsinnigen Part II

So, getz ich (Schluss mit lustich!): Alles Quatsch da oben…
Egal, die Wahrheitsmedaille hat immer mindestens 2 Seiten.
Mangels ausreichenden Kühlschrankvolumens wäre aus meiner Sicht ein morgiger Einkauf weitaus angemessener gewesen. Unterm Strich wurde jedoch auch lokales Bier erworben, weshalb ich diesem Wahnsinn durchaus etwas Positives abgewinnen konnte.

Zurück zur Schranke – oh Polizei…

Befürchtend, dass unser im totalen Halteverbot geparktes Auto den Unmut bajuwarischer Ordnungshüter auf sich gezogen haben könnte, eilen wir auf selbige zu. Wild winkend, zu jedem Schuldeingeständnis bereit, um eine gute Verhandlungsgrundlage für potenzielle Stafmandate wie zum Beispiel lebenslanges Freistaatverbot zu schaffen, gähnt der Ordnungshüter nur gelangweilt und bringt zum Ausdruck, dass selbst zwei nordrheinwestfälische Falschparker an diesem Tag bei Kaiserwetter einen bayrischen Staatsdiener nicht zum Verlassen seines klimatisierten Dienstfahrzeugs bewegen können. Dankeschön! Also Wohnwagen ankuppeln und rein in den Bums. An der Rezeption treffen wir auf Thomas.

Der diensthabe Lutter (und teilhabender Campingplatzbesitzer in vermutlich elfter Generation) stellt sich als die Liebenswürdikeit in Person heraus (nicht, dass es da Zweifel gab!). Er erklärt uns den Ablauf des morgendlichen Brötchendienstes. BRÖTCHEN!!! Woraufhin ich aufgrund der ungewohnten Verwendung der gewohnten Vokabel wohl sehr verdutzt drein schaue, was er wiederum als Unverständnis deutet und mir „Brötchen“ zur Erklärung in „Semmeln? Schrippen? Wecken?“ übersetzt… Ich hatte einfach nicht mit soviel Expertise gerechnet… sei’s drum. Auf meine Frage, ob es eine Möglichkeit gäbe, unsere mittlereweile als Wärmflasche nutzbaren Kühlakkus zu verfestigen, erklärt er, dass der Campingplatz diesen Service leider nicht anbieten könne. Stattdessen sagt er mir zu, die Dinger in der Büro-Tiefkühltruhe zu deponieren. Das scheint nicht die Regel zu sein. EXTRAWURST FÜR DEN HEAVY = DICKER PLUSPUNKT!
Er zuckte zwar noch einmal kurz, als ich ihm unser Batallion von inzwischen ca. 20 Kühlakkus in der neu erworbenen Edeka Tüte über die Theke reiche, aber er packte die Akkus dennoch tapfer unter die Dominos, Cornettos und Magnums. Erstaunlich…!

Eine Frage an Thomas habe ich aber dann doch noch: FCB oder 1860?
Grund dafür ist mein Plan, abends über Notebook und Sky Go das DFB-Pokalsspiel der Bayern zu schauen und ihn dafür als stategischen Verbündeten ins Boot zu holen. Wie jeder weiß, muss man bei 60ern höllisch aufpassen, um nicht direkt unten durch zu sein. Thomas schaut mich kurz verständislos an, antwortet aber zum Glück nicht „Nürnberg“ oder „Augsburg“ und erklärt mir, dass er gerne das Spiel mit mir gemeinsam schauen würde und dass wir ihn zum Anpfiff nochmal ansprechen sollen. Dann würde er uns seinen persönlichen WLAN-Schlüssel mitteilen. EXTRAWURST FÜR DEN HEAVY = DICKER PLUSPUNKT!

Die Einweisung auf Platz 90 ist schnell erledigt. Auf den ersten Blick gleicht dieser Platz eher einer Steppe bei nur 40°C. Kaum Bäume oder Büsche. Schlimmstes befürchtend, bringen wir unseren Wohnwagen auf die zugeteilte Stelle und… staunen: Hier ist Platz für drei Wohnwagen. Nette Nachbarn helfen uns die optimale Aufstellung zu wählen, damit wir nicht morgens um 8.30 Uhr als Grillhähnchen verenden. Die spärliche Bebaumung spendet aufgrund der geschickten Nutzung genug Schatten, um selbst Börschs höchste Anforderunen an eine erträgliche Nachtruhe zu genügen.

Und dann sehen wir den See. Wahnsinn! Kristallklares Wasser, ein schmaler, aber gut ausgebauter Zugang und ein trotz zahlreicher Badegäste nicht überfüllter Uferabschnitt.

Direkter Blick aufs Ufer vom Vorzelt aus

Auf diesem schönen Campingplatz mit wirklich herausragendem Sanitär- und Duschbereich ziehen wir alle Register unser Sonnenschutz-Strategie und zaubern den Sonnenschirm und das Weber’sche Flying Tent aus dem Hut. Mit dem Seeufer in zwanzig Metern Entfernung lässt es sich hervoragend aushalten. Meine anfänglichen Bedenken bezüglich einer erneuten Mückenplage wie in Gunzenhausen lösen sich schnell in Wohlgefallen auf. Klar gibt es auch hier blutrünstige Sauger, aber die zahlreichen und wunderschönen Libellen scheinen ca. 80% der Mückenbrut einfach aufgegessen zu haben, weshalb uns nur noch wenige dieser Schmarotzer bedrohen.

Wertvolle Zeitgenossen

Dies hindert mich allerdings nicht daran, meinen „Off“-Verbrauch in Form von 25%igem DEET weiter zu erhöhen. Zumal an diesem Montagabend der FC Bayern gegen Rehden spielt (5:0, 3 Tore von Thomas Müller) und innnerhalb der Reichweite des WLAN-Hotspots in der Nähe der Rezeption keine Libellen zu wohnen scheinen… So konnte ich die Mückenstichquote von potenziell fünfzig auf ca. fünf reduzieren. Börsch benutzt Autan… so’n Quatsch…

Übrigens hat man auch vom Restaurant „Seerano“ einen herrlichen Blick aufs Wasser…
…und wir waren sogar da!