Dinkelsbühl – hier ist die Welt in Ordnung!

Nach der Aufregung in den ersten beiden Tagen sind wir erleichtert, heute einen zwar erfüllenden, aber weniger abenteuerlichen Tag erlebt zu haben.
Die Frühstückseier sind perfekt auf den Punkt. Selbstzufrieden schlendern wir also zur Campingplatz-Terrasse. Heavy schaut sich über SkyGo die Wiederholung des DFB-Pokalspiels der Dortmunder an und findet auf diese Weise wieder neue Freunde, die er unterhalten kann. Ich surfe ein bisschen im Netz und genieße die milden Temperaturen.
Pünktlich um halb zwei machen wir uns auf den Weg zum Dinkelsbühler McDonald’s-Parkplatz, denn da sind wir nochmal mit Melanie verabredet.
Kaum verlassen wir Gunzenhausen, zieht der Himmel sich zu. Irgendwie scheint mir nicht gegönnt zu sein, Dinkelsbühl einmal im Trockenen zu besuchen. – Bei meinem letzten Besuch vor ca. 14 Jahren hat es geschüttet wie aus Eimern.
Dasselbe tut’s just in dem Moment, als Heavy den Parkplatz ansteuert. Melanie ist schon da.Wir schaffen es gerade eben noch in ihr Auto, bevor wir vollständig durchnässt sind.

Es ist schon merkwürdig. Rothenburg ob der Tauber ist den meisten ein Begriff – Dinkelsbühl dagegen kennt außer Metal-Fans (und die auch nur von „Summerbreeze“-Plakaten) kaum jemand. Dabei ist Letzteres meines Erachtens wirklich die schönere Stadt an der „Romantischen Straße“, ein total verschlafenes Fachwerknest eben. Irgendwie habe ich den Eindruck, hier ist die Zeit stehengeblieben. Es gibt keine Leuchtreklamen oder Werbeschilder an den Geschäften. Egal, ob „Tchibo“ oder „Ernsting’s Family“ – alle tragen ihren Namen in altdeutschen Lettern handgemalt auf ihren Fassaden. Melanie erklärt, dass die Stadt dies anders nicht genehmigt. Ebenfalls muss die Fassadenfarbe mit der Stadt abgesprochen werden, denn hier stehen keine zwei Häuser mit derselben Farbe nebeneinander. Und weil das alles so kuschelig ist, fahren hier auch jede Menge Kutschen die durch die Gegend. Die Fahrgäste – wie soll es anders sein – vornehmlich Japaner, die in 48 Stunden Europa entdecken.

Stadtkern Dinkelsbühl
Weiher
Heavy in mittelalterlicher Gefängniszelle („Deutsches Museum“)

Als wir einmal quer durch die Innenstadt gelaufen sind, vorbei an der Stadtmauer durch den Park, klart es auf, und die Sonne kehrt zurück.
Wir genehmigen uns ein Eis unterm Sonnenschirm und machen uns danach mit Melanie auf den Rückweg zum Campingplatz.

Innenhof Deutsches Museum
Warten aufs Eis

Dort versorgt Heavy uns mit Schwarzwurst und Schweineknurps. Im zweiten Anlauf werden Nürnberger und Bauchfleisch appetitlicher. Dies verdanken wir der edlen Grillschalen-Spende des Dauercampers von gegenüber. Spießig zahlt sich eben doch manchmal aus!

Es qualmt, zischt und… schmeckt!

Noch eine Nacht – morgen geht es weiter an den Murner See, wo wir in den nächsten Tagen unseren Pater aus Rom wiedersehen werden.