Entschuldigung…

Seit ein paar Monaten teilen bei Facebook vermehrt Kleinkind-Mütter Blogeinträge von anderen Kleinkind-Müttern. Alle haben in etwa den gleichen Tenor: Wir Nicht-Mütter sollen Verständnis haben. Wir sollen die ungewollten neuen Hobbies entschuldigen (z.B. Wäsche falten, Rotznasen putzen, über Spielzeuge stolpern). Und auch, dass sie für uns keine Zeit mehr haben. Oder, dass wenn sie sich Zeit für uns nehmen, die Mütter nicht aufmerksam sein können, weil sie nebenher ihren Müttergedanken nachhängen. Dass sie abends müde sind und am Wochenende auch keine Zeit haben, weil sie dann endlich zusammen mit den Vätern Familienunternehmungen planen können. Dass sie nicht durchschlafen können, zuerst, weil die Babies nachts alle paar Stunden Hunger haben, später, weil die Kleinkinder Angst vor Monstern unter dem Bett haben. Oder weil sie zahnen und nächtliche Durchfälle mit Bauchweh bekommen. Von so viel Schlafentzug wird man unkonzentriert und schlecht gelaunt. Manchmal posten sie auch über die schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dass sie unter quälendem schlechten Gewissen leiden, wenn sie auch nur einer Halbtagsbeschäftigung nachgehen und das Kind viel zu früh in eine Betreuung abgeben. Dass sie den Job vielleicht nach kurzer Zeit wieder aufgeben, weil sie das Gefühl haben, zu viel von der Entwicklung zu verpassen. Heutzutage beschäftige man sich mehr denn je damit, wie ein Kind aufwachsen MUSS, damit gesellschaftliche Erwartungen erfüllt werden. Stimmt. Über all das habe ich auch schon nachgedacht. Ich kann mir gut vorstellen, welchen Spagat diese Frauen durchleben. Ich sehe, wie sich Mütter aus dem Freundeskreis verändern. Es ist verdammt schwer, ab einem Tag X die volle Verantwortung für einen kleinen Menschen zu übernehmen.

Ich möchte durchschlafen. Ich möchte spontan verreisen können, mich mit Freunden treffen, auf Konzerte gehen, eben genau die Dinge tun, die ich bisher auch gemacht habe. Meine Bedürfnisse sind da leider stärker als der Wunsch nach Nachwuchs. Zögerlich werde ich allenfalls, wenn ich ans Alter denke. So ein Generationenvertrag ist schon sinnvoll. Eines Tages werde ich nicht mehr in der Lage sein, meine Wasserkästen zu tragen – oder möglicherweise überhaupt zu laufen. Wenn ich das weiterspinne, bekomme ich richtig Angst. Aber in mir drin weiß ich, dass es die grundfalsche Motivation wäre, nur allein deshalb Kinder in die Welt zu setzen. Das wäre einfach nur egoistisch. Die jungen Eltern aus dem Freundeskreis argumentieren gern mit dem, was Kinder zurück geben. Wie viel Spaß man mit ihnen hat. Als große Schwester mit einem großen Altersabstand weiß ich, wovon ihr sprecht. Ich weiß sogar, wie viel Anstrengungen ich investieren muss, um Spaß mit ihnen zu haben. ;-) Und ich weiß, welchen Preis man als Mutter zahlen kann, wenn das Schicksal plötzlich schlechte Laune bekommt.

Jeder sollte doch das machen, was er für richtig hält. Insofern, liebe Mütter, macht ihr weiter euer Ding. Ihr macht alles richtig! Ich bin auch ohne die Posts von Huffingtonpost und Co. nicht böse. Wir setzen einfach unterschiedliche Prioritäten.
Ihr könnt aufhören, diese schlechtes-Gewissen-Blogs zu posten. Wir Nicht-Mütter haben unsere Entscheidung in den meisten Fällen genauso bewusst getroffen wie ihr. Jedenfalls hoffe ich das. Wir entschuldigen uns doch auch nicht dafür, dass wir am Wochenende ausschlafen und keine Lust haben, mit auf den Spielplatz zu gehen. Genervt bin ich nur, wenn arbeitende Mütter die gesamten Feiertagswochenenden für sich beanspruchen oder auf ein Vorrecht auf den Urlaub „zwischen den Jahren“  pochen. Auch ich feiere gern Weihnachten mit netten Menschen, und über Pfingsten und Co. sind jede Menge Festivals. ;-)