Außergewöhnliche Tanga-Wochen

Von komischen Situationen, die man nur erlebt, wenn man ein pubertierendes Hundemädchen hat.

#Proöstrus (Vorbrunst)
Durchschnittlich dauert diese Phase 3 bis 17 Tage. Die Vulva schwillt an, und der erste blutige Ausfluss tritt aus.
Lilly nimmt diese Veränderung ohne Verwunderung und erstaunlich gelassen. Sie hat sogar Bock auf ihren komischen Tanga, der sie voraussichtlich mindestens 3 Wochen lang begleitet. Es ist außerdem mal wieder fürchterlich heiß, irgendwie „zum Glück“, weil ausgedehnte Spaziergänge, insbesondere die ohne Leine, vorerst keine gute Idee sind. Die Hunde in der Nachbarschaft drehen schon durch, wenn sie sich im eigenen Garten die Sonne auf den Pelz scheinen, oder sich grazil in ihren heißgeliebten Pool plumpsen lässt. Unser Dachgeschoss heizt sich auf geschmeidige 29 Grad auf, sodass ich beschließe, bei offenen Terrassentüren unten auf der Gästecouch zu schlafen. Das findet Lilly großartig, denn ein bisschen verschmuster als sonst ist sie schon. Deshalb nutzt sie die Gelegenheit und legt sich zu mir. Soll sie. Schließlich ist sie ansonsten kein Schlafzimmer-Hund und darf auch mal „Ausnahmen“ genießen. Sie war bis heute noch nie im ersten Stock und macht auch keine Anstalten, dorthin zu gehen.
In jener ersten gemeinsamen Nacht mit Lilly und ihrem Tanga kann ich erst gegen 1 Uhr einschlafen. Bis dahin kühlt es einfach so gar nicht ab…
Zum Glück ist unser Hund alles andere als ein früher Vogel. Wenn ich morgens gegen 6 aus dem Bad die Treppe herunter schleiche, bin ich froh, wenn sie es schafft, mich mit einem Auge zu fragen: „Dein Ernst??“ (So weiß ich wenigstens, dass sie noch lebt.) Danach grunzt sie manchmal, dreht sich zur Seite und schläft unbeeindruckt weiter. Nicht in dieser einen Nacht. Offensichtlich. Vermutlich hat auch sie einen leichteren Schlaf, weil ihr einfach zu warm ist. Jedenfalls… gegen viertel vor sechs wache ich auf. Lilly liegt nicht mehr neben mir. „Läufiger Hund, Terrassentür! Nicht, dass sie abhaut…“, schießt mir durch den Kopf. Ein Blick auf Körbchen und ihre Decke auf der Couch machen schnell deutlich, dass sie irgendwo draußen ist. Als ich mich gerade aufrichte, um in Richtung Terrassentüre zu taumeln, hat sie mich offenbar schon rascheln gehört und stürmt schwanzwedelnd auf mich zu. Sie springt in einem Satz auf die Bettdecke. Ihre Art, mir einen guten Morgen zu wünschen. Ich lasse mich zurückfallen – ’nur noch füüüünf Minuten‘ – und lege meinen Arm um sie. Der wird sofort nass. Und klebrig.
Weil meine Synapsen vom Schlaf ebenfalls noch ziemlich aneinander kleben, dauert es einen Moment zu lange, bis ich die Dramatik der Situation überblicke. Um viertel vor sechs – vor meinem ersten Kaffee – hat unsere läufige Hündin, noch völlig ungeschult im Bereich der Menstruationshygiene, beschlossen, mir den Start in den Tag zu erleichtern, indem sie sich selbst um ihre Geschäfte kümmert. Die kleinen – und die großen. Scheiß‘ auf den Tanga. Falsch. Denn: An dieser Stelle muss es „in den Tanga“ heißen.

Der Proöstrus hat bei uns etwa 7 Tage angehalten.

#Östrus (Brunst/Standhitze)

Die Standhitze dauert durchschnittlich neun Tage, kann aber wohl zwischen 3 und 21 Tagen schwanken. Ihren Namen hat sie daher, dass die Hündin „stehen“bleibt, wenn sich ein interessierter Rüde nähert und ihre Rute auf die Seite dreht. Ein lustiger Effekt, den man zur Überprüfung selbst herbei führen kann, wenn man die Stelle zwischen After und Vulva berührt.
Lilly bekommt Tag für Tag mehr graue Haare. Nur noch die Körperregionen mit längerem Haar (Schnauze, Ohren, Schwanz) sind noch durchgehend schokobraun. Wir finden uns langsam damit ab, dass unser „Baby“ keins mehr ist und eines Tages vermutlich beige-grau sein wird.
Die Dramen allerdings bleiben vorerst aus. Einzig auffällig sind das schlechte Fressverhalten, ihr Bedürfnis nach Nähe und neue Gewohnheiten beim Gassigang. Die Nase kommt kaum noch vom Boden hoch, plötzliche Richtungswechsel gehören neuerdings zur Tagesordnung. Lilly lässt sich zwar etwas schlechter, aber immernoch einigermaßen gut abrufen. Da wir antizyklisch spazieren gehen (Rüdenkontakt vermeiden!), nehmen wir mutig neue Übungen auf ins Training. Ablegen auf dem Weg, ich gehe um die Ecke, sodass sie mich nicht mehr sehen kann und verlängere die Sekunden, die sie allein warten muss. Der Heavy macht das Gleiche kurz vor der Haustüre. Lilly macht das super! Im Haus schafft sie es, sitzen zu bleiben, bis ich aus dem Keller die Wäsche geholt habe oder der Heavy mit Besuch durch die Flurtüre kommt und sie zum Begrüßen freigibt.
Außerdem suchen wir Spielzeuge inzwischen mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad. Sie liebt es, immer wieder den Kopf anzustrengen.

#Metöstrus (Nachbrunst)

Die Vulva schwillt ab, der Ausfluss wird heller und weniger…
Was denkt sich wohl ein Kaufland-Leergutabteilungs-Mitarbeiter beim Abladen einer Getränkekiste vom Förderband, auf der ein merkwürdiger schwarzer Stofffetzen mit Gummizug und blut-befleckten Vlies herumliegt?
Blutiger Terroranschlag? Racheakt der schon wieder nicht schwanger-gewordenen Freundin? Wutanfall eines schlecht behandelten Kunden? Intrigen?
Jedenfalls… es ist uns hochgradig peinlich!! Aber, ich gebe zu, wir haben auch hart gelacht.
Leider haben wir das Missgeschick erst zuhause bemerkt, als das Höschen fehlte…
Der Heavy ist manchmal einfach zu sehr Streuhirn. Wenn ich eine Minute lang nicht aufpasse(n kann), weil ich gerade einen Einkaufswagen hole, während er schon ungeduldig mit den Getränkekisten zum Automaten stapft – ist es schon passiert. Und vor allem zu spät.
Vorher waren wir nämlich spazieren, und als er Lilly ihren heißgeliebten Tanga auszog, wusste er offensichtlich nicht, wohin damit… Wie so oft, landen wohin-damit-Sachen halt irgendwo im Auto. Und da bleiben sie, wenn ich sie nicht entferne. Oder sie landen im Leergutautomaten.

Übrigens: Aufgrund des verlustig gegangenen Lieblings-Tangas habe ich aus einem alten, schwarzen H&M-Schlüpper ein neue Hundemodelinie kreiert. Einfach Loch für die Rute reinschneiden und mit Bindfaden zusammenfriemeln. Zack, feddich.

Bald ist der Zauber der außergewöhnlichen Tanga-Wochen zum Glück vorbei!

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