Mars und Venus

Mal was ganz Anderes:
Männer kommen vom Mars, und Frauen von der Venus – sagt man doch so?

In unserem Fall könnte man in manchen Punkten zu anderen Ergebnissen kommen, friert Heavy sich doch z.B. tendenziell eher den Allerwertesten ab, während Börsch in seiner Wohnung fleht, die Heizung „endlich“ abschalten zu dürfen.
Trotzdem gibt es genug Bereiche, in denen wir klassische Rollenklischees gekonnt pflegen. Die folgende Situation kennt vermutlich jeder:

Sie ist unleidlich und brütet irgendwas aus. Er fragt, was los ist.
Wie lautet ihre Antwort? (…) Richtig!
„Nichts.“
Sie brütet weiter, er schaut sie skeptisch an, beschließt dann aber, es ihr auch nicht aus der Nase bohren zu wollen. Immerhin ist es schon spät, der Tag war für beide lang und anstrengend, morgen wieder früh aufstehen… Wozu jetzt noch Dinge aufbauschen?
In ihr brodelt eine Ausgeburt an irrationalem Gedankensalat. Die Woche war hart, sie hat Einiges zu verdauen gehabt.
Wie Frauen so sind, leben und denken sie in Gefühlsdimensionen, während Männer sich eher in rationalen Formeln zuhause fühlen.
Ihre emotionale Fokussierung hat dann zur Folge, nicht benennen zu können, was überhaupt los ist: Während sie „alles“ fühlt, antwortet (und meint) sie „nichts“, weil sie nicht in der Lage ist, „alles“ so runterzubrechen, dass er es rational nachvollziehen kann.
Zufriedenstellend ist’s aber auch nicht, wenn er sich mit „nichts“ zufrieden gibt und nicht bitteschön mindestens dreimal nachbohrt, sondern sich weiter seinen Dingen zuwendet. Also gerät sie noch weiter in das weibliche Missverhältnis zwischen quälendem Gefühl und fehlender Bauch-Hirn-Verbindung.
Irgendwann drängt sich ihr wegen der fehlenden Nachfragerei der erste (scheinbar) griffige Gedanke auf, dass er sich nicht für sie interessieren könnte. – Spätestens zu diesem Zeitpunkt wäre ein Notschalter sinnvoll, denn alles, was jetzt kommt, wiederholt sich in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen, und das vermutlich in jeder Beziehung auf diesem Planeten. Oder zumindest in Westeuropa, wenn wir Mentalitätsverschiebungen mal außen vor lassen.
Sie fühlt sich missverstanden, er sich ungerecht behandelt.
(Beide haben Recht.)
Wie sich dieses Gespräch gestaltet, hängt vom jeweiligen Beziehungsstil ab, das ein Paar pflegt. Der Ausgang ist auch individuell verschieden.

Wir wären nicht wir, wenn wir diesem überflüssigem Klischee nicht einerseits unterlegen wären und andererseits in der Lage, auf unsere eigene Art damit zu spielen. Irgendwann wurden wir uns also, interessanterweise gleichzeitig grinsend, der Schräglage bewusst, und der Kurswechsel wurde mit alkoholfreiem (!) Bier eingeläutet.
Danach konnte sie endlich beruhigt einschlafen.

Heavy wäre nicht er, wenn er nicht heldenhaft über diesen Hormonschwachsinn hinweg sehen würde.
Auf ihre Entschuldigungsmail am nächsten Tag antwortete er nur: „Ich freue mich auf dich.“

Manche Dinge muss man (äh… frau) sich ganz dick hinter die Ohren schreiben.