Von Stöckern und Steinern…

Samstag – ausschlafen!
Aber nich‘ mit mir. Die beiden Mädels schlummern noch friedlich vor sich hin und ich kann irgendwie nich‘ mehr pennen. Ich nutze also die Gunst der Stunde (der frühe Vogel kann mich für gewöhnlich mal sowas von kreuzweise am Töffel tüten), um etwas gegen mein Faultier-Image zu tun. Also aufgestanden, Zähne geputzt und Futter erjagt. Bin stolz wie Bolle, dass ich beim Kaffekochen niemanden wecke und erfreut, den tosenden Beifall, welcher einem fürsorglichen Partner gebührt, für mich ganz allein einheimsen zu können. Weil wir bis ca. 4.00 Uhr morgens vor dem Wohnwagen die Regentropfen gezählt haben, schälen sich Börsch und Jana erst so gegen Halbelf (nicht Volltroll!) aus ihren Kojen…

Frühstück im Schatten

Die Sonne scheint uns aufgrund ausgeklügelter Handtuchinstallationen NICHT auf den Frühstückstisch und alle sind zufrieden. Dazu kommt, dass ich wirklich aufgeregt bin, die mittlerweile auf fünf Personen angewachsene Großfamilie meines geschätzten Ex-WG-Kollegen aus Dortmunder Zeiten „Sir Wolland Garros“ alias „Wolle“ (mittlerweile wohhaft in Bayern) auf unserem Campingplatz begrüßen zu dürfen. Wir schmurmeln also frühstückenderweise noch etwas in den Tag hinein, bis mir auffällt, dass wir für das meinerseits großmundig angekündigte Grillevent für fünf Erwachsene und drei Kiddies weder genügend Kohle, noch ausreichend Fleisch am Start haben… Aufgrunddessen und nicht zuletzt um wenigstens eine grobe Zeitplanung für den Samstag zu vereinbaren, informiere ich Wolle, dass er zwar eingeladen sei, sich jedoch dennoch selbst um Futter für die Seinen kümmern müsse. Peinlich, denn in der Nachbetrachtung hätte ich die Versorgungslogistik mit etwas mehr Voraussicht auch selbst erledigen können, weil der Campingplatzsupermarkt bestes Metzgergedöhns zu akzeptablen Kursen anbietet. Egal, denn Wolle und Ruth (Wolles Gattin) haben glücklicherweise auf ihrem Weg zu uns noch problemlos (?) einkaufen können.
Wie auch immer…  um ca. 13.30 Uhr erhalte ich den herbeigesehnten Anruf von Wolle: „Wir sind da!“. Ich erklimme den steilen Anstieg in Richtung Gästeparkplatz, um die Burghausener Posse ordnugsgemäß in Empfang zu nehmen und sehe drei blonde Stöpsel, die Mutter und den Vater, der seinen Kindern zuraunt, dass da der „Slowly“ den Berg hinaufkommt. Eine Frecheit (und Altlast aus Dortmunder Tagen)! Wer mich kennt, weiß, dass ich zu den Schnellsten, Braunsten (im Sinne von sonnengebräunt!) und Stärksten gehöre. Schneller, brauner und stärker ist nur Wolle höchstselbst.

Wolle & Heavy, braun und stark

Die drei Brüder (Wolle hat den WG-internen Wettbewerb, die meisten Söhne zu zeugen, bis zum heutigen Tag klar für sich entschieden) Theo (ca. 7 Jahre), Willem (ca. 4) und Johann (ca. 2) sind strohblond wie ihr Dad, aber nicht so dick! Arme Ruth, ein Töchterchen dazwischen hätte ihr sicher gut gefallen… diese verflixten Socken…
Ich freue mich also aufrichtigst, die mit Schwimmnudeln bewaffneten Pimpfe kennenzulernen und bewundere die gewaltigen „Stöcker“, welche die Jungs mir mit großem Stolz präsentieren. Sofort kommt Leben in die Bude. Ich lache insgeheim in mich hinein, weil unsere teilweise etwas merkwürdigen Camper-Nachbarn sich nun ihrerseits gelegentlich die Ohren zuhalten müssen.
Theo und Willem sind nach wenigen Augenblicken verschwunden, um den Plaz zu erforschen und Spielplätze auszukundschaften. Johann bleibt traurig zurück. Er ist mit seinen anderthalb Lenzen noch zu klein, um mit den „Großen“ mitpinkeln zu können. Wir reichen Kaffee und sonst nix, weil Kekse jibbet nich. Die angebotenen Chips unterliegen aufgrund der elterlichen Befürchtung maßlosen Essverhaltens einer klaren Restriktion. Da kennen wohl Einige die Grenzen gesunden Essverhaltens noch nicht… kicher.Da Jana am frühen Nachmittag abreisen muss, um sich anderer Dinge von hoher Priorität widmen zu können, ist die zeitliche Überschneidung der Besucher unter unserem Vorzelt auf ein bis zwei Stunden begrenzt. Börsch schaut ob der schlagartig gestiegenen Geräuschkulisse (aber auch aufgrund akuter Kopfschmerzen, die nichts mit unseren Gästen zu tun haben) ein wenig wehleidig aus der Wäsche. Ich vermute, sie wäre gerne mit Jana gefahren, um dem Trubel zu entfleuchen, aber es gibt kein Entrinnen! :-) Wie Wolle schon sagte: „Uns gibts derzeit nur im all-inclusive-5er-Package!“ Recht so, da musse getz durch! Außerdem haben wir unsere Stressresistenz schon mit diversen Neffen, Nichten und Kindern befreundeter Neusser Familien (You know who you are, Grüße aus Bayern!) trainieren dürfen. Also alles halb so wild!
Da wir (La Familia und ich, der Heavy und sein Sonnenhut) sowieso im See schwimmen wollten, lassen wir Börsch im Wohnwagen zurück und ersparen ihr somit sämtliche zum x-ten Male wiederholten Ausführungen meiner derzeitigen Strategien zur Veränderung meines beruflichen Beschäftigungsverhältnisses, an welchen Wolle als Ingenieurkollege ernsthaftes Interesse zeigt. Außer eines verhältnismäßig unspektakulären Badeunfalls ohne ernsthaften Konsequenzen (Johann hat irgendwie noch nicht kapiert, dass alle Ansagen fürsorglicher Eltern grundsätzlich zu befolgen sind und stürzt sich versehentlich ein wenig zu weit in die Fluten – Flachköpper mal anders) weil die glücklicherweise noch ungefüllte Windel aus physikalischen Gründen Auftrieb verleiht, verbringen wir ein schönes Stündchen am Ufer des Waginger Sees. Auf diese Weise lernt Johann gleich wie wichtig es ist, „den Kopf stets über Wasser zu halten“… :-)

Theo mit Schwimmnudel
Willem & Johann

Danach geht’s ab zum Spielplatz, weil die versprochene Tretboottour aufgrund der schlagartig fallenden Temperaturen (sehr zum Unbill von Theo und Willem) unter gegebenen Umständen doch keine sooo gute Idee zu sein scheint, sagen die Eltern. In meiner Rolle als Nicht-Elter habe ich gewisse Vorbehalte, Wolle auf ein Bier auf der Spielplatzbank einzuladen, welches wir totzdem vor Ort verzehren. Um mein Gewissen zu beruhigen (ich fürchte, von anderen Eltern möglicherweise in die Kategorie „asozialer Alkoholiker und schlechtes Beispiel für Kinder“ einsortiert zu werden), argumentiert Wolle, dass ihm das egal sei, weil wir ja nun nicht 10.00 Uhr morgens hätten und außerdem keine fünf Halbe wegschlauchen würden. Dies klingt in meinen Ohren mehr als plausibel. Ich akzeptiere Wolles Einladung zu einem zweiten Hellen daher ohne weitere Einwände.

da hat sich doch glatt eine blonde Brasilianerin ins Bild geschummelt…

An dieser Stelle ein fettes „RESPEKT“ an Ruth, die den Sack voller Flöhe trotz eingehender Experimente der Nachwuchsforscher in der Physik der Gravitations- und Hebel- (Wippe), sowie Reibungsmechanik (Rutsche) mit Adleraugen und stoischer Gelassenheit im Griff behält! Ein Bild für die Götter, als die drei Brüder versuchen die optimale Verteilung auf der Wippe zu ermitteln. Gelegentlichen Tränen folgt stets ein Strahlen, nicht zuletzt induziert durch den Einsatz von grünen Weingummifröschen und Liebesperlen aus feinstem Industriezucker.

Ruth, Wolle und ein geschulter 180°-Blick

Hunger! Jetzt ist genug gespielt worden, finden Wolle und ich, der Grill ruft! Nach einer kurzen Synchronisation unserer Bedürfnislage bezüglich eines Grillrosts akzeptabler Hygienebedingungen einigen wir uns schnell auf die gute alte Thermo- oder auch Pyrolyse. In kompetenten, technischen Fachkreisen wird der Schmodder der letzten Grillung vorzugsweise bei Starten der neuen Grillung einfach weggebrannt, und die verkohlten, porösen Fettreste werden mit Stahlwolle und wenig Aufwand mechanisch entfernt. Krankheitsbildende Keime sind somit stets vernachlässigbar, wenn man es ordentlich qualmen lässt! Diese Vorgehensweise erspart das aufwändige Reinigen ekliger, klebriger Grillroste unmittelbar nach dem Vehrzehr hozkohlegegarten Grillguts, wenn kein Mensch der Welt gerne Spülen geht, sondern lieber den prallen Bauch mit noch etwas mehr Bier füllt. Hier ist auch Börsch (mittlerweile frei von Kopfschmerzen und gut gelaunt) wieder mit dabei, und es folgen u. A. Gespräche über Fußball (Götze oder Gündogan, FCB oder BVB?) und „wie man ein Haus baut“ (Details würden hier den Rahmen sprengen).
Nach dem Essen unterhalten die beiden älteren blonden Knilche nochmals die Nachbarschaft und setzen sich totz gefüllter Mägen (Würstchen, Hähnchenspieße, etc.) vorbildlich im Sinne der Campingplatzpflege für saubere Gehwege ein, indem sie eine von Unbekannten fallen gelassene Portion Pommes samt Mayo und Ketchup brüderlich teilen… bis die Eltern einschreiten und die Jungs nochmals zum Spielplatz schicken. „Die Leute müssen ja denken, die Kinder bekommen nichts zu Essen…“ Aber lecker warnse wohl, die Pommes…Johann, der alte Schornsteinfeger, schnappt sich derweil den verrußten Grillkohle-Anzünderkamin, welcher ab sofort als Behältnis für „Steiner“ und weitere „Stöcker“ dient. Nee, watt herrlich!

nicht Oskar und nicht die Blechtrommel

Irgenwann werden auch die besterzogensten Kinder quengelig. Um sich selbst – und möglicherweise auch uns – größere Dramen im Fachbereich der Kindererziehung zu ersparen, kündigen Ruth und Wolle gegen 19.00 Uhr ihren Rückzug an. Glücklich über (vor Allem !) diesen schönen Tag und (auch ein klein wenig) die sich abzeichnende Ruhe ;-), begleiten Börsch und ich die Bande zurück zu Ihrem Auto.Die herzliche Einladung, die Wolles in Burghausen zu besuchen (inklusive nächtlicher Unterbringung im gekühlten Gästezimmer mit echten Betten), werden wir wohl liebend gerne annehmen!DANKE für Euren Besuch! :-)